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Es liegt Schnee in Cicely. Die Einwohner sind in Weihnachtsstimmung. Sie stehen auf Leitern und dekorieren ihre Häuser und Geschäfte mit Weihnachts- und Rabenschmuck. Die Straßen und Laternen sind festlich geschmückt. Chris beobachtet die Leute durch die Fensterscheibe der Radio-Station. Während er ins Mikrofon spricht schnitzt er eine Raben aus Holz. Im Hintergrund dudelt eine ulkig swingende Version von "Santa Claus Is Coming To Town"... Chris: Frohe Festtage Euch allen miteinander von KHBR, Herz & Seele von Cicely, Alaska! Hier ist Chris am Morgen. Von meinem Platz aus habe ich einen großartigen Ausblick auf all die Weihnachtsdekorationen, die in der ganzen Stadt angebracht werden. Wohin ich auch blicke, sehe ich ebenholzschwarze Vögel. Wißt Ihr: blinkende, farbige Lämpchen sind ja ganz nett, genauso wie Plastikweihnachtsmänner und Rentiere und Krippen, - aber ich sag Euch was Freunde: es geht nichts über den Anblick eines schönen, tiefschwarzen Raben, um einen in Weihnachtsstimmung zu bringen! Ach da fällt mir was ein. Herzlichen Glückwunsch unserer lieben Marilyn Whirlwind, die die Rolle der Prinzessin in der diesjährigen Rabenaufführung hat. Hals- und Flügelbruch, Marilyn! Hoppla, da stolpert Maggie in ihrer üblichen Weihnachtsstimmung vorbei. Zu dieser Jahreszeit wird sie immer etwas unfallträchtig. Macht zu Eurer eigenen Sicherheit einen weiten Bogen um sie. So das hier ist für Euch alle da draußen. Chris legt Weihnachtsmusik auf. |
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Maurice kommt trübsinnig ins KBHR-Studio geschlurft: Ich hab gehört, dass zur Weihnachtszeit die Selbstmordrate dramatisch ansteigt. Chris: Ja. Weißt Du, diese Jahreszeit ist für die meisten Leute ziemlich stressig. Maurice: Ja, die Sache ist die: man übersteht das Jahr ganz gut, man hat seine Freunde, man hat seine Beschäftigung, man ist Teil der Gemeinde - und dann... so gegen Mitte Dezember, fühlt man sich als Alleinstehender als Außenseiter. Chris: Man fühlt sich entfremdet. Chris reicht Maurice den geschnitzten Raben: Hier der ist für dich als Weihnachtsbaumspitze Maurice beachtet das Geschenk kaum: Danke. Es liegt in der Natur eines Familienfeiertags einem Single das Gefühl zu geben, ihm werden alle Rechte entzogen. Und man fühlt sich wie ein hungriger Vagabund, der die Nase an die Fensterscheibe preßt und anderer Leute Abendessen anstarrt. Shelly kommt ins Studio gestürzt: Maurice! Da wollen ein paar Leute zu dir. Sie zeigt aus dem Fenster. Draußen auf dem Bürgersteig stehen drei Asiaten. Ein Jugendlicher in schwarzer Lederjacke, ein Mann um die Vierzig und ein Frau in Maurice' Alter. Sie blicken durch die Scheibe ins Studio auf Maurice. Maurice argwöhnisch: Was zum Teufel wollen die? Shelly zuckt mit den Schultern. Maurice stöhnt leise auf, geht schließlich gelangweilt zum Ausgang und drückt Shelly nebenbei den Raben in die Hand: Hier da hast du eine Raben! Während Maurice sich den Asiaten nähert, knöpft er sich seinen Mantel zu: Ich bin Minnifield. Die drei verneigen höflich sich vor Maurice. Der Jugendliche tritt offensichtlich als Dolmetscher auf: Hallo, ich bin Yung Bong Joo. Das sind mein Dad Yung Duk Won Der Mann lächelt Maurice erwartungsfroh an! Bong: Und meine Großmutter Yung Yong Chang. Wir sind glücklich dich kennen zu lernen. Bong schüttelt Maurice die Hand. Maurice erwidert mißtrauisch die Geste: Ja, ebenfalls sehr erfreut. Duk Won spricht fragend ein paar Silben auf koreanisch. Bong antwortet ihm. Maurice ist irritiert: Wer seid ihr? Bong unsicher: Er ist mein Dad...! Maurice unterbricht Bong ungeduldig: Ja, das habe ich verstanden...! Bong ergänzt...: ...und dein Sohn! Die Frau spricht Bong auf koreanisch an, während Maurice die fremden Menschen fassungslos anstarrt. |
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Ed und Dave laden vorm Brick Weihnachtsbäume von einem Pick-Up, um sie in der Kneipe aufzustellen. Die Bäume sind leicht mit Schnee bedeckt. Auf den Bürgersteigen huschen gelegentlich einige Cicelianer geschäftig vorbei. Joel kommt mit einem Becher Kaffee aus dem Brick. Er ist bestens gelaunt: Hey Ed. Dave. Dave: Hi. Ed steht auf der Ladefläche des Pick-Up und grüßt lachend zurück: Hallo, Dr. Fleischman. Joel: Der Weihnachtsbaum, hmmm? Dave: Ja, ja! Joel kommt näher. Und spielt den Weihnachtsbaum-Experten: Mhhh, gute Wahl. Unten üppig und nach oben hin spitz zulaufend. Viele Leute mögen Douglas-Tannen, aber ich bin eher für Fichten. Ed und Dave laden weiter ab, sie beachten Joel wenig. (Ed zu Dave): Paß auf die Spitze auf! Dave: Okay! Joel fabuliert gedankenverloren weiter: Ein Duft ist das! So ein Weihnachtsbaum ist an sich schon wundervoll. Er beschwört so vieles heraus. Bilder von Schneemännern, Schlittenfahrten... Ed einladend: Sollen wir Ihnen eine fällen? Joel geht abwehrend einen Schritt zurück: Mir??? Dave beiläufig: Mhhh...ja...? Joel entgegnet belustigt: Ey, Leute, ich bin Jude! Ed verwirrt: Na und? Joel: Naja, der Christbaum ist ein wichtiges christliches Symbol, gleich nach dem Kreuz. Was Christlicheres gibt es überhaupt gar nicht. Versteht Ihr, was ich meine? Ed und Dave gucken sich fragend an. Joel belehrend: Die Juden versuchen christliche Symbole zu vermeiden... Joel trinkt aus seinem Becher. Ed scheint das Problem zu verstehen und gibt zu bedenken: Ah, - wissen Sie: Dave ist Animist und er hat auch einen Weihnachtsbaum, stimmt's? Dave: Genau! Ed und Dave tragen jetzt den ersten Baum in Richtung Brick. Joel folgt ihnen. Joel: Ja, aber Dave ist nicht der Sohn von Herb und Nadine Fleischman. Herb und Nadine Fleischman, die sich lieber lebendig rösten lassen, als nur eine Zuckerstange - ganz zu schweigen von einem ausgewachsenen Christbaum - bei sich zu dulden. Joel eilt hilfsbereit voraus, öffnet die Tür zum Brick und hält sie auf, damit die beiden den Baum ins Lokal schleppen können. Im Brick sind zu dieser Mittagszeit nur wenige Tische besetzt, aber ein verrückter Song namens "Dig That Crazy Santa Claus" sorgt für Stimmung. Joel: Nicht, dass ich nicht davon geträumt hätte, einen Baum zu haben... Wartet, wartet... ich zieh' den Tisch dort weg! Joel schiebt Tische aus dem Weg und pflaumt nebenbei einen Gast an: Edi Fisherman, ich krieg' noch was von Ihnen! Joel wartet aber nicht auf die Antwort, sondern räumt weiter den Weg frei. Er setzt munter seinen Monolog fort: Früher lag unser Küchenfenster gegenüber dem Wohnzimmerfenster einer irischen Familie, den McGoverns. Ich habe immer beim Baumschmücken zugesehen. Die Leute habe ihn mit Popcorn und Lametta dekoriert. Wie auf so 'ner Weihnachtsgrußkarte, - ein echtes Gemälde. Und dann diese Weihnachtsmusik im Radio. So wärmend, so einladend. Joel ächzt leise beim Tischerücken: Vorsicht! Ed und Dave tragen den Baum an ihm vorbei. Joel breitet die Arme aus: Eigentlich habe ich Weihnachten immer gemocht. Ein toller Feiertag für ein jüdisches Kind. Zwei ganze Wochen schulfrei und nichts wurde von einem erwartet. Dave hat einen passenden Platz für den Baum gefunden: Hier ist gut! Dave und Ed stellen den Baum auf. Joel: Es stimmt, dass ich manches an der Weihnachtszeit ausgesprochen schön finde... die Musik, das Verteilen der Geschenke... Verlegen versucht Joel seine Gefühle zu rechtfertigen: Man muß ja auch kein Republikaner sein, um Lincolns Geburtstag zu feiern. Also, wenn man mal nachdenkt, dann betreibe ich wohl Haarspalterei, wenn ich mich einem Baum verweigere... Dave wortkarg: Genau! Alle drei sehen sich begeistert den Baum an. Ed auffordernd: Also, wollen Sie einen? Joel lacht in sich hinein und mustert den Baum von unten bis oben: Ich wird' es mir überlegen.... Ed klopft Joel beim Hinausgehen freundschaftlich auf die Schulter. Joel bleibt noch einen Moment vor dem imposanten Baum stehen. Maggie stürmt in ihrem rotem Mantel und einem halben Dutzend Paketen ins Brick, entdeckt Joel und ruft: Hey Fleischman, ich habe Ihre Gipsbandagen! Und schon stürzt Maggie über einen Haufen Holzscheite, die auf dem Fußboden aufgestapelt sind. Joel läuft ihr zuvorkommend entgegen: Vorsicht! Hey!!! Er hilft Maggie hoch. Joel: Langsam! Noch alles dran? Maggie lächelt ihn dankbar einen Augenblick an. Joel sammelt die Pakete auf: Warum zwingen Sie sich nur dazu? Es ist doch ganz einfach, sich da raus zu halten. Maggie fragt unbedarft: Wozu zwing' ich mich denn? Joel: Ach kommen Sie, - jeder weiß, dass sie Weihnachten zu Hause hassen. Maggie erwidert kleinlaut, - so als ob sie es nicht eh schon wüßte: Ach ja? Sie fummelt verlegen an den Päckchen herum. Joel setzt nach: Deshalb bricht man sich doch nicht den Hals. Verschwörerisch ergänzt er: Sagen Sie denen, Sie hätten zu viel zu tun! Maggie nun ein wenig reserviert: Erstens, Fleischman, hat an meiner Tollpatschigkeit nichts mit einem unterbewußten Wunsch zu tun. Zweitens, ich soll behaupten, ich wäre beschäftigt??? Joel: Jaaaha! Maggie: Fleischman, das ist wieder Mal eine Ihrer hirnrissigen Ideen. Es ist Weihnachten, Fleischman. Weihnachten! Da ist man nicht beschäftigt!!! Maggie drückt Joel die Schachteln mit den Gipsbinden in die Arme und dreht sich zum Ausgang, fällt dabei fast erneut über das Brennholz... Joel schmunzelnd: Hey, passen Sie auf. Ich will das hier nicht bei Ihnen anwenden!!! |
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Shelly steht bedrückt hinter der Theke im Brick und zieht edle Gläser mit schwarzen Rabenmotiven aus einem Karton. Zu folkloristischen Klänge ("Il Est Ne/Ca Berger") putzt sie gedankenverloren die Gläser mit einem Handtuch. Holling kommt fröhlich dazu und fragt: Gefallen dir die Gläser? Shelly antwortet kleinlaut. Sind ganz gut. Holling ist von seinen Gläsern begeistert: Sie sind handbemalen. Aus der Tschechoslowakei. Holling nimmte ein Glas in die Hand, betrachtet es stolz und deutet auf das Rabenmotiv Diese Details hier, du erkennst die winzigste Feder! Holling strahlt Shelly an, doch sie wendet sich desinteressiert ab und sagt in heuchlerischen Tonfall: Sind echt schick! Holling bemerkt Shellys Schwermut: Was ist los, Schatz? Shelly atmet tief durch: Ich weiß nicht, Holling... Holling besorgt: Du bist so niedergeschlagen. Shelly putzt Gläser während sie spricht: Ich hab mir die Weihnachtsmesse im Fernsehen angesehen und diesen fetten italienischen Sänger und diesen Kinderchor in so 'ner großen, alten Kathedrale... Holling: Ja? Shelly: Naja, und... - es war als ob ich den Weihrauch riechen würde. Als ob ich wieder zu Hause in unserer Kirche wäre. Heilig Abend gab es immer eine Mitternachtsmesse. Shelly erinnert sich und ihre Augen glänzen jetzt beim Erzählen: Und kurz vor zwölf haben Sie alle Lichter gelöscht und dann fing die Orgel an zu spielen, die Türen sind aufgegangen und der Chor kam mit Kerzen in den Händen den Gang hinunter, dann die Meßdiener, dann Vater Peron - und alle haben gesungen.... Holling schiebt ein Glas traurig in den Karton zurück, doch Shelly hält ihn auf: Ich liebe die Raben, Holling, - ich mag sie wirklich... Sie schaut Holling leibevoll an: ...aber es ist einfach nicht so, wie ein altmodisches Charlie-Brown-Weihnachtsfest! |
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Maurice stößt entschlossen die Schwingtüren zum Brick auf und schreitet mit ernster Miene auf den Tisch zu, an dem Bong, Duk Won und Yong Chang sitzen. Duk Won und Bong erheben sich höflich zum Gruß. Passend zu Maurice' Cowboy-Auftritt sqaure-danced eine Art Country-Western-Version von "Christmas Time's A Coming"... Bong: Hi, Großvater. Maurice guckt Bong bedient an, lächelt abschätzig und spricht schließlich alle an, während er mit diversen Unterlagen gestikuliert: Stimmt alles ganz genau. Briefe, Dokumente, Bluttests... Maurice setzt sich zu den dreien an den Tisch: Ich erkenne ihn an. Er ist mein Sohn! Bong übersetzt Maurice' Worte. Duk Won und Yong Chang freuen sich. Maurice: Ich war sehr jung in Korea. Ich war sechzehn. Um bei den Marines einzusteigen, hatte ich die Unterschrift meines Vaters gefälscht. Ich war ein Junge im Körper eines Mannes. Duk Won und Yong Chang gucken Maurice interessiert, verstehen aber vermutlich kein einziges Wort. Maurice beäugt schuldbewußt Yong Chang: Und ich machte törichte Dinge. Duk Won und Yong Chang fordern Bong auf zu dolmetschen, doch als Bong ansetzt, unterbricht ihn Maurice: Nein,... - ist nicht wichtig. Nach einer kleinen Pause richtet sich Maurice nochmals an Bong: Was... was wollen sie? Frag' sie, ...ähhh ...was sie will! Bong übersetzt lächelnd. Nach kurzer Beratung: Schweinekoteletts! Maurice fällt Bong ungeduldig ins Wort: NEIN, - nicht das Essen. Maurice spricht jetzt betont und demonstrativ langsam zu Yong Chang, als könne sie ihn dann verstehen: W-a-s w-o-l-l-e-n S-i-e? Wieviel wollen Sie von mir? Er macht reibt Zeigefinger und Daumen aneinander: Mäuse? Knete? ...Ich meine Geld! Bong fängt an zu übersetzen, doch kaum hat Duk Won verstanden, worauf Maurice hinaus will, wehrt er entschieden ab: Nein, nein, nein! Duk Won ist bestürzt und auch Yong Chang winkt gekränkt und energisch ab. Maurice versteht noch nicht ganz: Nein??? Schließlich deutet er die Gebärdensprache doch richtig, obwohl er es kaum glauben kann: Ihr wollt kein Geld...? Yong Chang bestätigt nochmals auf koreanisch. Maurice ist verblüfft: Und was wollt Ihr dann hier? Maurice zu Bong: Was wollen sie hier? Bong übersetzt die Frage. Duk Won erklärt es ihm und Bong richtet es Maurice aus: Mein Vater möchte dich mal kennen lernen. Maurice: Sonst nichts? Die drei Asiaten schauen ihn erwartungsvoll an. Maurice: Das ist alles? Du wolltest mich nur kennen lernen? Bong: Ja. Maurice reicht Duk Won distanziert die Hand über den Tisch: Na schön, guten Tag! Sehr erfreut. Stille. Bong steht auf und läßt die Erwachsenen alleine: Entschuldige mich bitte. Maurice wendet sich an Duk Won und spricht in väterlichen Ton, obwohl im bewußt ist, dass niemand am Tisch seine Worte verstehen wird: Also, nur damit wir einander nicht mißverstehen, ihr sollt wissen, dass ich jeglichen Verpflichtungen nachkommen werde, - doch außerdem wahre ich meine Interessen. Er schaut ernst. Duk Won und Yong Chang beobachten ihn freundlich, aber verständnislos an. Maurice: Falls ihr vorhabt, mich vor ein Gericht zu zerren, vergeßt dabei nicht, dass ich über ein Heer von Anwälten verfüge, die euch zum Frühstück verspeisen! Das wäre geklärt!!! Er grinst jetzt breit und dreckig: Genießt euren Aufenthalt! Auch Duk Wons und Yong Changs Gesichtsausdruck hellen sich auf. Sie freuen sich aufrichtig! Sind dankbar. |
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Joels hat sich tatsächlich für einen Weihnachtsbaum entschieden. Er begleitet Ed und Bong, die sich offensichtlich inzwischen angefreundet haben, zu seiner Hütte. Die beiden schleppen den Christbaum, während Joel sie munter plappernd dirigiert. Joel öffnet die Tür und läßt die beiden mit dem Baum hinein: ... Kinder betrachten Feste von der materialistischen Seite. Für mich war Chanukka immer das bessere Geschäft. Man kriegt Geschenke und sie werden über eine Woche verteilt, so dass man jedes einzelne auskostet. Ed und Bong stöhnen beim Reintragen des Weihnachtsbaum (Ed zu Bong): Paß auf! Joel: Vorsicht, Bong! Joel plaudert weiter: ...Weihnachten kriegt man aber alles auf ein Mal! Er greift jetzt mit zu: Ey! Vorsicht! Ed: Schon gut. Wir haben ihn drin! Joel schwelgt erneut in Erinnerungen: Nur einmal habe ich meinen Nachbarn Tom McGovern echt beneidet. Joel kratzt sich am Kopf, während Ed und Bong den Baum ins Wohnzimmer tragen: Er hat einen von Bobby Murcer signierten Baseballhandschuh bekommen. Mann, war ich scharf d'rauf! Joel schlägt aufschreckt Alarm: Halt, halt! Wartet!!! Joel rennt an die Baumspitze und rettet sein CD-Player, bevor er vom Tisch gestoßen wird: Ist gut, weiter! Joel schließt die Tür: Mann, der nadelt ja die ganze Hütte voll. Ed altklug: Ja, ist ein Nadelbaum. Sie sollten ein Tuch drunter tun! Während sich Joel die Jacke auszieht, guckt sich Ed um: Wo soll er denn hin, Dr. Fleischman? Joel unentschlossen: Ähhh... vielleicht drüben ans Feuer. Das ist doch ein angemessener Platz, oder? Ed zustimmend: Ja, nur nicht zu nahe dran. Joel voller Tatendrang: Okay, na dann! Er schiebt einen Tisch und Stühle zur Seite, um für den Baum Platz zu machen und singt vergnügt dabei: Dummdididumm! Ed und Bong stellen den Baum auf. Ed: Bei drei! Bong: Eins, ...zwei ...und drei! Joel betrachtet den Baum zufrieden: Na bitte! Wow! Umwerfend!!! Ed: Ja. Joel: Gewaltig! Bong: Sieht gut aus. Ed verabschiedet sich abrupt und geht eilig mit Bong zum Ausgang: Bis dann also, Dr. Fleischman! Joel leicht irritiert: Wartet mal! Wo wollt ihr denn hin? Ed und Bong bleiben stehen. Ed: Äh, Bong will sich die neue Kläranlage ansehen, drüben am Wasserfall! Bong freut sich: Ja. Joel einladend Hey, die läuft euch doch nicht weg. Ich habe Soda.. und Kräcker.. Eiscreme.. Ed fällt Joels lächelnd ins Wort: Nein Danke, Dr. Fleischman! Hebt die Hand zum Abschiedsgruß, Bong öffnet die Tür. Joel im hilflosen, enttäuschten Tonfall: Wartet mal... W-was ist mit der Tanne? Was mach ich damit??? Ed schaut ihn verdutzt an, - dann fällt ihm die Antwort ein: Ach... - sie schmücken! Bis dann! Ed und Bong verschwinden rasch. Joel mustert kritisch den nackten Baum, der irgendwie verloren in der Ecke steht. |
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Maurice hat inzwischen seine Besucher bei sich zu Hause einquartiert. Er kommt gerade mit einem Wäschekorb um die Ecke, als er Yong Chang im Treppenhaus antrifft. Mit einer Tasse Tee will sie sich gerade auf ihr Zimmer zurückziehen. Maurice stellt den Korb auf einen Stuhl und spricht seine ehemalige Gespielin verlegen an: Entschuldigen Sie bitte... Ich fürchte, ich muss Sie um Verzeihung bitten. Yong Chang bleibt auf den Treppen stehen. Maurice nimmt ein Kleidungsstück aus dem Korb. Maurice: Ihr Kleid ist irrtümlich in den Wäschekorb geraten... Ja,... und meine Kordhosen haben ein bißchen abgefärbt. Yong Chang sieht das Kleid und bedauert den Schaden auf koreanisch. Sie nimmt das Kleid prüfend in die Hände und versichert Maurice, dass sie den Verlust verkraften wird. Maurice: Nein, ich werde Ihnen ein neues kaufen. Yong Chang weicht bescheiden aus, aber Maurice bleibt hartnäckig: Nein, nein, - diese Dinge kosten ziemlich viel und ich bestehe darauf, Ihnen ein neues zu kaufen! Die schüchterne Yong Chang beteuert nochmals auf koreanisch, dass sie keinen Ersatz wünscht. Doch Maurice reißt das Kleid an sich: NEIN, ich werde darauf bestehen! Er dreht sich zum Wäschekorb: Das wäre geklärt! Yong Chang geht ein wenig bekümmert die Treppen hinauf, als Maurice noch was unter den Nägeln brennt: Ähm, ... Ma'am! Yong Chang schaut ihn fragend an. Maurice ist befangen: Herrgott, wie sage ich das nur..! Ähh... es ist klar, dass wir - Sie und ich - eine... intime Beziehung hatten, stimmt's? Er lächelt sie verlegen an. Obwohl Maurice beim Sprechen gestikuliert, durchschaut Yong Chang natürlich noch nicht, wovon Maurice spricht: Aber... - ich kann mich einfach nicht an Sie erinnern. Bei meinem Leben, - ich kann mich absolut kein bißchen an Sie erinnern! Ohne Ihnen nahe treten zu wollen: ich hatte damals viele Verhältnisse mit Frauen. Maurice setzt ein reuiges, ernstes Gesicht auf: Ich war jung, ungebunden. In einem fremden Land. Er atmet tief durch und schaut ihr ins Gesicht: Vielleicht könnten Sie meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen? Es gab da einen Laden in Seoul, den ich häufig aufgesucht habe. Ein Mädchen arbeitete dort namens... Maurice denkt angestrengt nach: Hmmm... Kik-ka...? Yong Chang berichtigt den Namen: Ki-ja? Maurice freut sich. An Ki-ja kann er sich offensichtlich gut erinnern. Yong Chang wiederholt den Namen mehrmals aufmunternd Maurice: Ki-ja! Ja, ja...! Sie war klein, hatte schwarzes Haar. JA, JA!!! Sie war der besondere Liebling meines Freundes Michael Wilson! Yong Chang erinnert sich auch. Sie ist froh, dass sie und Maurice für einen Moment die Verständigungsproblem überwinden können. Sie wiederholt radebrechend: Mei-kel Will-sen Maurice ist euphorisch: Mike Wilson... ja, ja. Das ist gut. Endlich kommen wir weiter...! Er wird ernst, greift behutsam nach ihren Armen und fragt geradezu feierlich: Sind Sie Ki-ja? Yong Chang begreift langsam, deutet auf sich selbst und fragt zaghaft: Ki-ja??? Und ergänzt bedauernd: Nein! Maurice nickt und wendet sich enttäuscht und mutlos ab. Yong Chang schaut ihm traurig nach. Doch Maurice fängt sich schnell und spricht sie nun erneut mit fester John-Wayne-Stimme erneut an: Ma'am, ich... Ich wollte vor den Kindern nicht davon reden, aber sollten Sie sich Hoffnungen auf eine irgendwie gearteten Erneuerung unserer Beziehungen machen, - das ist nicht möglich Ma'am. Seit damals ist viel Zeit vergangen. Wir sind getrennte Wege gegangen. Und wenn Sie mal darüber nachdenken würden, ganz rational, im nackten Tageslicht, dann werden Sie feststellen, dass Sie mit jemanden Ihrer eigenen Überzeugung viel besser dran sind. Maurice steht da wie ein Trottel mit seinem Wäschekorb in den Händen und starrt auf den Fußboden, während Yong Chang ihn bemitleidend anblickt. Er schnauft tief durch: Ich bin froh über unseren kleinen Schatz, - dass wir das geklärt haben! Er verschwindet eilig und läßt Yong Chang alleine. |
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Joel sitzt alleine auf dem Fußboden seiner Hütte, betrachtet geringschätzig seinen Christbaum und spielt dabei mit einer Flasche Bier. Ihn plagen Gewissensbisse und er scheint sich gegenüber dem Baum rechtfertigen zu müssen: Also, eines wollen wir mal klarstellen: dass du hier in meinem Wohnzimmer stehst ist bedeutungslos, damit verrate ich gar nichts! Du bist eine Tanne, Flora, eine Pflanze! Ein nichtempfindendes Wesen, nichts weiter! Der mächtigen, immer noch nackte, ungeschmückte Baum steht trostlos im Raum. Joel: Ich weiß ja, dass manche Leute, dich mit einer religiösen Bedeutung versehen, aber selbst dann bist du eher ein kulturelles Symbol so wie der Osterhase, Onkel Sam, Toni, der Tiger... Du bist was spaßiges, was alle erfreuen soll, Buddhisten, Moslems, Rastafaris... Er stockt, nimmt einen Schluck Bier. Es klopft an der Tür. Maggie ruft von draußen: Fleischman? Joel ist überrascht: Was ist? Kommen Sie rein! Maggie humpelt durch die Tür: Ich glaube, mein Knöchel ist verletzt. Aaah. Joel: Was ist passiert? Maggie: Ich bin ausgerutscht und von der Veranda gefallen. Joel: Oh. Maggie wirft die Tür ins Schloß: Können Sie sich's mal ansehen? Joel: Ja, natürlich. Maggie: Gut. Maggie will sich in einen Sessel fallen lassen, rutscht aber dabei aus, stützt und wirft eine Stehlampe um: Aua! Joel hastet vom Fußboden: Hey, passen Sie auf O'Connell. Sie ruinieren ja das Mobilar. Maggie kleinlaut: T'schuldigung! Während sich Maggie in den Sessel klettert und Joel die Lampe aufrichtet, belehrt er sie: Sie sind nicht nur eine Gefahr für sich selbst, sondern auch eine Gefahr für andere. Maggie öffnet ihre Jacke und wiederholt gelangweilt: T'schuldigung! Joel wendet sich ihrem Knöcheln zu: Also gut, welcher denn? Maggie zieht eine Schuh aus und reckt ihm vorsichtig den lädierten Fuß entgegen: Der hier, der linke... Joel beginnt die Untersuchung, der bewegt den Fuß behutsam: Okay,... locker, locker... Maggie entdeckt den Baum und bemerkt beiläufig: Schöne Tanne. Joel reagiert empfindlich: Was heißt das jetzt schon wieder? Maggie genervt: Genau das: schöne Tanne! Joel: Tun Sie bloß nicht so schüchtern. Los, sagen Sie's! Maggie unbedarft: Was? Joel mürrisch: Ich bin Jude. Was mach' ich dann mit einem Weihnachtsbaum? Das ist völlig unpassend, nicht? Ich sollte eine Mesusa, eine Minorah haben - wobei ich übrigens beide habe und ich würde sie jedem Goi gerne zeigen... Aber einen Weihnachtsbaum? Gott bewahre! Er wendet sich wieder Maggies Knöchel zu. Maggie beschwichtigend: Fleischman? Was für ein Problem haben Sie? Joel: Ich habe kein Problem. Ich schwelge nicht jedes Jahr um Weihnacht in einer Orgie der Selbstzerstörung. Maggie verteidigt sich bedrückt: Wenn Sie das gleiche erwarten würde, wie mich, würden Sie auch nicht nach Hause wollen. Joel gibt seine Diagnose zum besten: Also ich könnte ihn röntgen, aber ich bin mir sicher, es ist nur eine Verstauchung. Er schaut sie an: Und jetzt erzählen Sie mir, was daran so furchtbar ist. Maggie stöhnt: Meine Mutter, als erstes. Hmmm. Vom dem Moment, an dem sie mich sieht, heißt es: Wann kriege ich einen Schwiegersohn? Wann habe ich endlich Enkelkinder? Und mein Vater, der selbstverständlich Ihrer Meinung ist, sagt, sie soll still sein und dann fangen sie an zu streiten. Und mein Bruder, der Eisberg, der das Zeigen von Gefühlen geschmacklos hält, zieht sich in sein Zimmer zurück und streichelt seine alten Schwimmtrophäen. Joel, der vor ihr hockt, breitet die arglos Arme: Aber irgendwas muss doch schön daran sein, nach Hause zu fahren? Um den Baum rumsitzen, Geschenke auspacken... Er steht auf, um Maggie eine Flasche Bier zu holen. Maggie fällt ihm ins Wort: Geschenke auspacken? Das schlimmste von allen, sind die Geschenke! Ich krieg' solche raschelnden Rüschenklamotten, die ich nie im Leben anziehen würde. Joel ruft vom Kühlschrank aus: Kommen Sie, das sind Ihre Eltern. Sie haben Sie großgezogen. Sie lieben Sie! Sie tun Ihr bestes für Sie! Maggie beschämt: Das weiß ich. Selbstverständlich weiß ich das! Glauben Sie, das wüßte ich nicht? Das macht es ja so furchtbar. Ich bin ein undankbares, schreckliches Kind, allein schon wegen meiner Gedanken. Joel reicht ihr das Bier und setzt sich neben sie. Sie stoßen gemeinsam an. Maggie orakelt niedergeschlagen: Es ist hoffnungslos. Morgen wird er bei Ruth-Anne schon auf mich warten. Ein Brief von meinen Eltern mit einem Flugticket. Ich kann Ihnen nicht mal annähernd das Grauen beschreiben, das mich überfällt, wenn ich den Umschlag öffne. Maggie stöhnt desillusioniert: Es gibt kein Entrinnen! Sie stellt ihre Bierflasche ab, zieht sich ihren Stiefel wieder an und rappelt sich auf. Joel guckt ihr nachdenklich hinterher: Belasten Sie den Fuß nicht! Voller Selbstmitleid öffnet sie die Tür: Gute Nacht, Fleischman! Danke für nichts. Die Tür fällt ins Schloß. Maggie stolpert in die nacht hinaus. Joel grübelt mit einem wissenden Lächeln auf dem Gesicht. |
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Das DEUTSCHE SKRIPT dieser Folge "Jugendsünden" wurde exklusiv für die Internet-Initiative DOKTOR FLEISCHMAN SOLL WIEDER ERYTHROZYTEN ZAeHLEN von Volker Herrmann, D-Meppen verfaßt. Die Dialoge und Handlungsstränge wurden dafür aus einer Videoaufzeichnung protokolliert. Alle Rechte vorbehalten. (c) Copyright für das Text-Skript bei Volker Herrmann, D-49716 Meppen. Nur zum privaten Gebrauch. Veröffentlichungen, auch einzelne Teile, nur nach Rücksprache: eMail: mail2cicely@web.de |
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