VERSCHOLLEN IM DSCHUNGEL DER GROSSSTADT, die legendäre 53. Episode, wurde bis zum 13. Dezember 2005 nie im deutschsprachigen Fernsehen gesendet. Der TV-Sender VOX, der 1995 die vierte Staffel ausstrahlte, zeigte versehentlich die einundfünfzigste Folge ("
Ausgesetzt") zwei Mal. Anschließend fuhr VOX mit Folge vierundfünfzig ("Vorübergehender Wahnsinn") fort. Der Fauxpas wurde nicht korrigiert. Erst knapp 13 Jahre nach der Erstausstrahlung in den USA strahlte DAS VIERTE (ein Free-TV-Sender des Medienkonzerns UNIVERSAL) die verschollene Episode in Deutschland aus. Allerdings blieben wieder viele Fans ausgeschlossen, weil die Folge nur über Satellit zu empfangen war...

"Learning Curve" ("Verschollen im Dschungel der Großstadt") wurde erstmals in den USA am 8. Februar 1993 ausgestrahlt. Es handelt sich um die fünfzehnte Episode der vierten Staffel (4.15).

DREHBUCH:
Jeffrey Vlaming

REGIE:
Michael Vittes

GAST-DARSTELLER:
Jane Harris - Jo Anderson
Detective McNamara - George Catalano
Stuart - Brian Feinstein

PLAYLIST:
Theme From A Summer Place - Percy Faith
Ojibway Square Dance - Georgia Wettlin-Larsen
Searchin - The Coasters
A Funeral in My Brain - David Schwartz

Die vorzügliche DEUTSCHE BEARBEITUNG erfolgte auch bei "Verschollen im Dschungel der Großstadt" im Auftrag für den TV-Sender RTL Televison, Köln durch die Synchronisationsfirma INTEROPA, München.


KURZBESCHREIBUNG:
Die emanzipierte Maggie gerät mit der eher konservativen Lehrerin Jane aneinander. Maggie kann es nicht fassen, daß eine gebildete Frau der Meinung sein kann, daß Frauen keine Kampfpilotinnen werden sollten. Holling versucht seinen Highschool-Abschluß nachzuholen. Dazu muß er als einziger Erwachsener unter lauter Teenagern nochmals die Schulbank drücken. Hollings unkonventionelle Rechentechnik beeindruckt die Klasse. Sein blutiger Aufsatz hingegen verstört die minderjährigen Mitschüler. Holling lernt fleißig, so daß Shelly letztendlich stolz auf ihn sein kann. Marilyns Investment in einen indianischen Aktienfond zahlt sich aus. Alle sechs Monate trifft ein respektabler Scheck ein. Von dem Geld tritt sie überraschend eine Reise nach Seattle an. Joel ist perplex; er kann sich nicht vorstellen, daß die phlegmatische Marilyn in einer fremden Großstadt zurecht kommt. Bevor sie tatsächlich zu ihrem "Abenteuer" aufbricht, überschüttet er sie mit gutgemeinten Ratschlägen. Während sich Marilyn Seattle ansieht, macht sich Joel allergrößte Sorgen. Schließlich fliegt er ihr nach und sucht verzweifelt die Stadt ab...


Das DEUTSCHE SKRIPT für VERSCHOLLEN IM DSCHUNGEL DER GROSSSTADT wurde zwischen Februar und Mai 2005 exklusiv für die Internet-Initiative:
DOKTOR FLEISCHMAN SOLL WIEDER ERYTHROZYTEN ZAeHLEN von Volker Herrmann, D-Meppen verfaßt.
Die Dialoge und Szenenbeschreibungen der Handlungsstränge wurden dafür aus einer Videoaufzeichnung protokolliert.
An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an Christian Hoppe für dieaußergewöhnliche Unterstützung.
Alle Rechte vorbehalten.
Nur zum privaten Gebrauch. Veröffentlichungen, auch einzelne Teile, nur nach Rücksprache. eMail:
mail2cicely@web.de

Während Marilyn die Koffer für ihr Abenteuer packt, dudelt im dritten Kapitel ("Hausbesuch") der nervtötende THEME FROM A SUMMER PLACE von Percy Faith im Hintergrund.
Dieses weltberühmte, aber eher seichte Instrumentalstück wurde für den Film "Die Sommerinsel" ("A Summer Place", 1959) vom Wiener Vollblutromantiker Max Steiner komponiert. Zum Hit und äußerst beliebten Evergreen wurde der Song durch die Adaption des Bandleaders Percy Faith.
"Sommerinsel" handelt vom Teenagerpärchen Molly & Johnny und deren erwachende Sexualität. Die geradezu revolutionäre Freizügigkeit des Films traf damals den Nerv des Publikums, - aus heutiger Sicht wirkt der Streifen dagegen regelrecht naiv und trivial.
Die eingängige Melodie (für die Liebe & Sex entdeckenden Jugendlichen) bezieht "Theme From A Summer Place" aus seiner Einfachheit. Es ist schlicht und liebäugelt im Rhythmus mit damals trendigen Pop-Beats, - was die zum innigen Schwofen besonders geeignete Faith-Version noch deutlicher unterstreicht.
Es ist keinesfalls ein überragendes Werk, aber sein unterhaltsamer Charakter macht es (vor allem bei älteren Generationen) zu einem immer wieder gern aufgelegten Schlager. Das Lied ist sozusagen die Mutter des "Easy Listenings" oder um es ein wenig gehässiger auszudrücken: "Theme From A Summer Place" ist ganz scheußliche Fahrstuhlmusik und macht die Szene in Marilyns Küche zu einer buchstäblichen Heimsuchung.
Im zehnten Kapitel "Sightseeing" begleitet der fast schon quakend vorgetragene OJIBWAY SQUARE DANCE der Indianerin Georgia Wettlin-Larsen Marilyns Stadtbesichtigung.
"Ojibway Square Dance" ist auf dem zweiten Northern-Exposure-Soundtrack (More Music From Northern Exposure) enthalten...
SEARCHIN' von "The Coasters" im gleichnamigen achtzehnten Kapitel ("Searching") untermalt Joels Streifzug durch Seattles zwielichtigen Gegenden.
"The Coasters" waren Ende der Fünfziger die Komiker der Rock'n Roll-Musik. Bobby Numm und Carl Gardner, die Gründerväter des Ensembles, hatten als "The Robins" mit "Smokey Joe's Cafe" einen ersten Hit gefeiert, worauf sie die Plattenfirma Atlantic unter Vertrag nahm. Zusammen mit den zwei neuen Sängern Billy Guy und Leon Huphes ging's dann richtig ab: Das Quartett produzierte fast spielerisch unter den neuen Namen "The Coasters" von 1956 bis 1961 eine Anzahl von Hits, die zu den witzigsten und unterhaltsamsten der Rock'n Roll-Ära zählen. Dafür verantwortlich zeichneten die beiden Star-Autoren Jerry Leiber und Mike Stoller, die bereits "Smokey Joe's Cafe" verfasst hatten. Typisch für ihre Methode sind die beiden Hitsingles von 1959, Charlie Brown und Along Came Jones. Beide Songs setzten nicht auf die Herz und Schmerz-Romantik früher Teenie-Epen, sondern verblüfften mit witzigen Texten: Einmal geht es um den Klassenclown, einmal um einen comocartigen Supermann, und in beiden Stücken sorgen die verschiedenen Stimmlagen der Sänger für zusätzliche Lacher - so verkündet der Baß bei "Along Came Jones" die Erlösung aus verschiedenen prekären Situationen. Und schließlich warten beiden Tracks mit absolut zündenden Melodien auf. "The Coasters" und ihre Hausautoren Leiber/Stoller kreierten eine ganz eigene Spielart, den Rock'n Roll.
Mit dem jüdisch anmutenden A FUNERAL IN MY BRAIN spiegelt David Schwartz im zwanzigsten Kapitel ("Finding") Joels Laune wider. Analog zu Joel schleppt sich die Musik niedergeschlagen durch den Zoo, dann aber, als Joel Marilyn endlich findet, hellt sich die Stimmung schlagartig auf und die dominate Klarinette klingt nun optimistisch und fröhlich.
David Schwartz studierte an der School Of Visual Arts (Schule der Bildenden Künste) in New York und an dem Berklee College Of Music in Boston. Schon bald beherrschte er ein großes Spektrum an Musikgenre, was ihm die Arbeit mit so verschiedenen Musikgrößen wie John Hall, Manhattan Transfer, The Boston Civic Symphony, The Glenn Miller Band, Howard Johnson, and John Sebastian ermöglichte.
1990 begann er für Film und Fernsehen zu komponieren. Gleich seine erste Arbeit, der THEME FROM NORTHERN EXPOSURE für den mehrmalige Emmy-Award-Gewinner "Ausgerechnet Alaska", wurde prompt für den Grammy (Best Instrumental Composition) nomminiert.
Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat er für zahlreiche Serien charakteristische Melodien geschrieben. Beispielsweise für Maximum Bob, Leap Of Faith, Beggars & Choosers, Wolf Lake, The Ellen Show, Brimstone, Cold Feet, The Oblongs, Everything's Relative, The John Larroquette Show, Beverly Hills 90210 oder Murder in Small Town X.



JO ANDERSON spielte in "Verschollen im Dschungel der Großstadt" die eher distanzierte Lehrerin (und ehemalige Kampfpilotin) Jane Harris.
Sie wurde in Brooklyn, New York geboren und wuchs in Tenafly, New Jersey auf.
Ihre Karriere begann sie als Schauspielerin und Tänzerin in Manhattan. Sie begeisterte in mehreren New Yorker Theaterproduktion. 1985 übernahm sie die Hauptrolle in "Marie", ein Stück, dass sie selbst über Marie Curie geschrieben hatte. Mitte der 80er Jahre zog sie von New York nach Los Angeles.
Jo Anderson hat mit dem Schauspieler Michael Moriarty studiert und ist ein Mitglied der "Prestigious Actor's Studio". Außerdem gehört sie dem "Chekhov Studio", dem "Renaissance Court Dance", dem "Lecoq Improvisation and Clowning" und dem "Comedia del Arte" an.
Sie hatte zahlreiche Gastauftritte in TV-Serien und wirkte in einigen Kinofilmen mit. Beispielsweise spielte sie in dem Blockbuster "JFK - Tatort Dallas" mit und übernahm in mehreren Folgen der Serie "Roswell" die Rolle der "Nancy Parker". Sie hatte Gastauftritte in "Columbo", "Miami Vice" oder "Millennium".
Die Rolle der Jane Harris war übrigens nicht Jo Andersons erster Auftritt in "Ausgerechnet Alaska". Bereits in der Episode
Das Paris des Nordens spielte sie die emanzipierte und liberale Roslyn, die aus einem primitiven, unterdrückten Dorf ein Utopia der Künstler und Freidenker machte. Roslyn war eine der Gründerinnen von Cicely und in Anbetracht von Jo Andersons kreativer Naturell kam ihr das Arrangement mit Sicherheit noch mehr entgegen.

Auch Detective McNamara, der von
GEORGE CATALANO gespielt wird, ist kein Unbekannter bei "Ausgerechnet Alaska". Er spielte in der Episode Ein Blitz aus heiterem Himmel den Pyrotechniker Carmine D'Angelo, den der paranoide Adam als "Das Wiesel Fusco" identifiziert, einen angeblichen Kollaborateur, der dem Meisterkoch nach dem Leben trachtet.
Auch George Catalano hat in verschiedenen Spielfilm- und TV-Produktionen mitgespielt (z.B. "The Vanishing" oder "Simon & Simon").

Hollings junger Schulkamerad Stuart wurde von
BRAIN FEINSTEIN gespielt. Stuarts kindlicher Phantasieaufsatz stellt im elften Kapitel "Mein aufregendster Tag im letzten Sommer" den blutigen Kontrast zu Hollings authentischer Erlebnisschilderung erst richtig her und demonstrierte nebenbei, wie beschwerlich der Unterricht (unter den vielen Halbwüchsigen) für Holling sein mußte.


Der
TREUESCHWUR der USA (Pledge of Allegiance) ist ein in den Vereinigten Staaten übliches Treuegelöbnis gegenüber dem Staat und der Fahne der USA. Es wird normalerweise gemeinsam und einstimmig bei öffentlichen Veranstaltungen geleistet. Vor allem in öffentlichen Schulen ist der Treueschwur oft Bestandteil des gemeinsamen Morgenrituals.

Ein Bundesgericht in Kalifornien jedoch unlängst entschieden, dass dieser Tradition ein Ende gesetzt werden soll. Die Schüler einen Eid auf
"eine Nation unter Gott" sprechen zu lassen sei verfassungswidrig. Dadurch werde eine Aussage über die Existenz Gottes und ein Bekenntnis zu einem monotheistischen Glauben verlangt, so das Gericht. Das Urteil löste heftige Proteste aus. US-Präsident George W. Bush bezeichnete es seinem Sprecher zufolge als lächerlich. Religiöse Gruppen äußerten sich entsetzt über das Urteil und warfen dem traditionell liberalen kalifornischen Gericht vor, ein für die USA grundlegendes religiöses Prinzip zu ignorieren. Die Chefs der Republikaner und Demokraten im Senat, Trent Lott und Tom Daschle, kündigten an, dass das Parlament die Entscheidung nicht akzeptieren und notfalls eingreifen werde. Experten erwarten, dass der Fall umgehend vor das Oberste Gericht der USA gebracht wird.

Die Pledge of Allegiance erhielt offizielle Anerkennung vom Kongress in einem Gesetz, das am 22. Juni 1942 verabschiedet wurde. Allerdings wurde er erstmals schon 1892 im "Youth's Companion Magazine" in Boston, Massachusetts, veröffentlicht, um den 400. Geburtstag der Entdeckung Amerikas zu feiern.
In seiner ursprünglichen Fassung hieß es in dem Schwur
"meine Fahne", und nicht "die Fahne der Vereinigten Staaten". Die Änderung des Wortlauts wurde 1923 vorgenommen.
Die Phrase
"unter Gott" wurde bei der Verabschiedung des Gesetzes im Kongress am 14. Juni 1954 unter Dem damaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower hinzugefügt. Ziel war es die "godless commies" (=gottlosen Kommunisten) im eigenen Land zu Zeiten des kalten Krieges anzugreifen.


Der Wortlaut:

I pledge allegiance to the Flag of the United States of America, and to the Republic for which it stands, one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.

Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden.

Mal abgesehen davon, dass "Ausgerechnet Alaska" (nicht in Alaska, sondern) ungefähr 70 Meilen von SEATTLE in dem Städtchen Roslyn (also im US-Staat Washington) gedreht wurde, ist diese Stadt nicht zufällig Marilyns Reiseziel.

Der Pugent Sound war das Stammesgebiet der Duwamish-Indianer: hügeliges, fruchtbares Land rund um eine Bucht am Pazifik, 200 Kilometer südlich der kanadischen Grenze.
1851 zogen 21 weiße Siedler aus dem Mittelwesten an den Pugent Sound. Sie baten Noah Sealth (1786-1866), Häuptling der Stämme Duwamish und Suquamish, besser bekannt unter dem Namen Chief Seattle um Erlaubnis, sich in seinem Land niederzulassen. Er gab seine Zustimmung. Aus Dank wurde die Siedlung nach ihm genannt: Seattle.
Drei Jahre lang wohnten Indianer und Weiße friedlich nebeneinander. Dann forderte Franklin Pierce, 14. Präsident der Vereinigten Staaten, die Duwamish-Indianer auf, ihre Heimat zu verkaufen und zu räumen. Amerika brauchte Platz für seine weißen Siedler.
Der Präsident bot den Indianern als Reservat eine Insel im Pugent Sound an. Bevor Seattle seine endgültige Entscheidung traf, wandte er sich in einer Rede noch einmal an den "Großen Häuptling in Washington", Präsident Pierce. Dann zog er mit seinen 1.200 Stammesangehörigen ins Insel-Reservat. Diese berühmte
Rede ("Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann!") machte in zu einer der großen Idole der Ökologiebewegung des 20. und 21. Jahrhunderts.
Zwölf Jahre danach, 1866, starb der greise Häuptling Seattle im Alter von 76 Jahren. Auch von seinem Stamm lebt heute keiner mehr. Wo einst die Fisch- und Jagdgründe der Duwamish waren, wuchs Seattle empor: Mit 550.000 Einwohnern, den Boeing-Werken und dem Raumfahrt-Denkmal Space-Needle, mit der 186 Meter hohen First National City Bank und achtspurigen Highways.

Am Pioneer Square bewegte Marilyn sich auf historischem Boden. Dort steht auch heute noch ein Totempfahl, der vor Urzeiten den Indianern entwendet wurde. Als der Pfahl vierzig Jahre nach dieser Untat beschädigt wurde, schickten ihn die Bürger ungeniert zurück an die Indianer und forderten Ersatz.
Die Indianer ließen ausrichten, die Reparatur koste 5.000 $, was die Stadt tatsächlich anstandslos bezahlte - wenn auch mit einiger Verzögerung. Die Indianer bedankten sich höflich und unterbreiteten der Stadt weiteres Angebot: Sie könnten auch einen neuen Totem liefern, wein as allerdings nochmals 5.000 $ kosten würde. Auf dieses Geschäft wollte man sich dann doch nicht einlassen.
So gemahnt noch immer der unrechtmäßig erworbene Totempfahl daran, auf wessen Land Seattle einst gegründet wurde. Nahe des Totems erinnert eine Büste an Noah Sealth, Häuptling Seattle.



Seattle, im Westen Washingtons zwischen Puget Sound und Lake Washington gelegen, gilt als eine der schönsten Urlaubsstädte der USA. Kein Wunder bei der Lage: die Kombination von Meer und Bergen verleiht Seattle seinen besonderen Reiz. Zahlreiche Seen und Grünanlagen prägen das Stadtbild und in einiger Entfernung ruht majestätisch der schneebedeckte Mount Rainier. Dem üppigen Grün, das hier allgegenwärtig ist, verdankt Seattle seinen Beinamen als "The Emerald City" - die smaragdgrüne Stadt.
Seattle ist umgeben von malerischer Natur. Östlich der Stadt, gerade mal eine Autostunde entfernt, erhebt sich der dicht bewaldete Gebirgszug der Cascade Range, in westlicher Richtung liegt die Bergkette des Olympic National Parks mit dem 2.482 m hohen Mount Olympus. Innerhalb der Stadt sorgen die natürlichen Grenzen aus Hügeln und Wasser dafür, dass sich verschiedene "Districts" entwickelt haben, von denen jedes seinen ganz eigenen Charme versprüht.

Der Pike Place Market, der ebenfalls von Marilyn bei ihrem Besuch in Seattle besucht wurde, ist ein traditionsreicher Ort im Herzen von Downtown Seattle und der älteste Bauernmarkt der ganzen USA. Seit 1907 bieten Farmer und Fischer aus der Umgebung täglich frisches Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch feil. "Meet the Producer! ", lautet die Devise. Besonders am Wochenende atmet der Markt Volksfestcharakter. An allen Ecken und Enden wird musiziert, Kunsthandwerker stellen ihre Werke zur Schau und Straßenkünstler unterhalten das Publikum. Sonntags ist der Stand der Pike Place Fish Company von Menschen umlagert. Hat der Kunde sich einen Fisch ausgesucht, so schleudert der Verkäufer den Fisch einem Kollegen zu, der ihn auffängt, in Papier einwickelt und abwiegt. Ein riesiges Spektakel, das unter ohrenbetäubendem, marktschreierischem Gebrüll vonstatten geht.

Als Beginn des modernen Seattles wird die Weltausstellung von 1962 gesehen. Das Seattle Center ist das ehemalige Geländer der Weltausstellung. Hier steht das Wahrzeichen der Stadt: die 185m hohe "Space Needle", die aussieht, wie eine riesige Stecknaden und in dessen Kopf sich ein Aussichtsdeck befindet, das an klaren Tagen einen perfekten Rundumblick auf die Stadt erlaubt. Auch Marilyn hat den Ausblick von der "Space Needle" genossen...
Das Gelände des Seattle Centers beherbergt mehrere Theater: darunter ein Amphitheater, ein Kino, Kunst- und Handwerkszentren, die Oper mit dem Seattle Symphonie Orchester sowie Läden und Restaurants. Nur einen Steinwurf entfernt liegt das Pacific Science Center, das Lehrreiches über Technik und Naturwissenschaft vermittelt. Auch die Monorail (eine Art Schwebebahn) und das Coliseum (Sportarena) entstanden im Rahmen der Weltausstellung.

Die Docks von Seattle waren Ende des 19. Jahrhunderts für tausende von Menschen die letzte Anlaufstation des Nordens, bevor sie sich in der Hoffnung auf Gold auf ihren Weg nach Alaska begaben. Heute ist die Waterfront mit ihren bunten Lichtern, Vergnügungsattraktionen und Restaurants eine beliebte Flaniermeile, sowohl für Einheimischen als auch für Touristen.

Die Stadt hat einige große Namen und Unternehmen hervorgebracht. Von hier aus trat mit der Gruppe "Nirvana" der Grunge ("Smells Like Teen Spirit") seinen Siegeszug um die Welt an, hier eröffneten 1971 des Coffee-Bar-Imperiums Starbucks ihre erste Filiale am Pike Place Market und hier ist der Sitz der Softwareschmiede Microsoft. Neben Kurt Cobain und Bill Gates zählt außerdem Jimi Hendrix zu den bekanntesten Söhnen der Stadt. Im Basketball spielen stets die Seattle SuperSonics um die Meisterschaft mit.
1999 war Seattle Schauplatz der globalisierungskritischen Bewegung. Rund 50.000 Menschen gingen damals gegen die WTO-Konferenz auf die Straße. Nach Ausschreitungen wurden mehr als 500 Demonstrationsteilnehmer verhaftet. Seattle ist somit gewissermaßen auch "Geburtsort" von ATTAC, was hinsichtlich der historischen Vergangenheit der Stadt geradezu würdig anmutet.

Aus Protest gegen die US-Klimapolitik haben sich 136 amerikanische Bürgermeister zusammengeschlossen und sich auf das Kioto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgase verpflichtet. Initiator der Aktion ist Greg Nickels, der demokratische Bürgermeister der Stadt Seattle. Die vielen ungewöhnlich warmen Wintertage in seiner Stadt hätten ihn besorgt, erklärte er. Deswegen habe er im Februar - als das Kioto-Protokoll in Kraft trat - an die Bürgermeister appelliert, sich der Vereinbarung anzuschließen. Dem Appell folgten auch die beiden größten US-amerikanischen Städte New York und Los Angeles. Im Kioto-Protokoll verpflichten sich die Industrieländer, die Emissionen von sechs Treibhausgasen bis 2012 um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Das Protokoll wurde im Dezember 1997 in der japanischen Stadt Kioto ausgehandelt. Es ist der erste völkerrechtlich bindende Vertrag zur Verringerung von Treibhausgasen. Die USA, der weltgrößte Kohlendioxid-Emittend, lehnen eine Ratifizierung ab und ziehen damit internationale Kritik auf sich.


Meine Worte sind wie Sterne: "Sie gehen nie unter!"

Die Rede von 1851 des HÄUPTLING NOAH SEALTH (1786-1866), besser bekannt unter dem Namen CHIEF SEATTLE:

Der grosse Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land zu kaufen wünscht.

Der grosse Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden sein Angebot bedenken, denn wir wissen - wenn wir nicht verkaufen - kommt der weisse Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land. Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme dieser Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd.

Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen - wie könnt ihr sie von uns kaufen? Wir werden unsere Entscheidung treffen.Was Häuptling Seattle sagt, darauf kann sich der grosse Häuptling in Washington verlassen, so sicher wie sich unser weisser Bruder auf die Wiederkehr der Jahreszeiten verlassen kann. Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig, in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes.

Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Wir sind ein Teil der Erde, und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der grosse Adler - sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys - und des Menschen - sie alle gehören zur gleichen Familie.Wenn also der grosse Häuptling in Washington uns Nachricht sendet, dass er unser Land zu kaufen gedenkt - so verlangt er viel von uns. Der grosse Häuptling teilt uns mit, dass er uns einen Platz gibt, wo wir angenehm und für uns leben können. Er wird unser Vater und wir werden seine Kinder sein. Aber kann das jemals sein? Gott liebt Euer Volk und hat seine roten Kinder verlassen. Er schickt Maschinen, um dem weissen Mann bei seiner Arbeit zu helfen, und baut grosse Dörfer für ihn. Er macht Euer Volk stärker, Tag für Tag. Bald werdet ihr das Land überfluten wie Flüsse, die die Schluchten hinab stürzen nach einem unerwarteten Regen.

Mein Volk ist wie eine ablaufende Flut - aber ohne Wiederkehr. Nein wir sind verschiedene Rassen. Unsere Kinder spielen nicht zusammen, und unsere Alten erzählen nicht die gleichen Geschichten. Gott ist Euch gut gesinnt, und wir sind Waisen.Wir werden Euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Das wird nicht leicht sein, denn dieses Land ist uns heilig. Wir erfreuen uns an diesen Wäldern. Ich weiss nicht - unsere Art ist anders als die Eure.

Glänzendes Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser - sondern das Blut unserer Vorfahren. Wenn wir Euch das Land verkaufen, müsst Ihr wissen, dass es heilig ist, und Eure Kinder lehren, dass es heilig ist und das jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt. Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter.

Die Flüsse sind unsere Brüder - sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder. Wenn wir unser Land verkaufen, so müsst Ihr Euch daran erinnern und Eure Kinder lehren: Die Flüsse sind unsere Brüder - und Eure -, und Ihr müsst von nun an den Flüssen Eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch. Der rote Mann zog sich immer zurück vor dem eindringenden weissen Mann - so wie der Frühnebel in den Bergen vor der Morgensonne weicht. Aber die Asche unserer Väter ist heilig, ihre Gräber sind geweihter Boden, und so sind diese Hügel, diese Bäume, dieser Teil der Erde uns geweiht. Wir wissen, dass der weisse Mann unsere Art nicht versteht.

Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt
in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter. Er lässt die Gräber seiner Väter zurück - und kümmert sich nicht.
Er stiehlt die Erde von seinen Kindern - und kümmert sich nicht. Seiner Väter Gräber und seiner Kinder Geburtsrecht sind vergessen. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als Wüste.

Ich weiss nicht - unsere Art ist anders als die Eure. Der Anblick Eurer Städte schmerzt die Augen des roten Mannes. Vielleicht, weil der rote Mann ein Wilder ist und nicht versteht.

Es gibt keine Stille in den Städten der Weissen. Keinen Ort, um das Entfalten der Blätter im Frühling zu hören oder das Summen der Insekten.

Aber vielleicht nur deshalb, weil ich ein Wilder bin und nicht verstehe. Das Geklappere scheint unsere Ohren nur zu beleidigen. Was gibt es schon im Leben, wenn man nicht den einsamen Schrei des Ziegenmelkervogels hören kann, oder das Gestreite der Frösche in der Nacht? Ich bin ein roter Mann und verstehe das nicht. Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über eine Teichfläche streicht - und den Geruch des Windes, gereinigt vom Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern. Die Luft ist kostbar für den roten Mann - denn alle Dinge teilen den selben Atem - das Tier, der Baum, der Mensch - sie alle teilen den selben Atem. Der weisse Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken; wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank.

Aber wenn wir Euch unser Land verkaufen, dürft Ihr nicht vergessen, dass die Luft uns kostbar ist - dass die Luft ihren Geist teilt mit all dem Leben, das sie enthält. Der Wind gab unseren Vätern den ersten Atem und empfängt ihren letzten. Und der Wind muss auch unseren Kindern den Lebensgeist geben. Und wenn wir Euch unser Land verkaufen, so müsst Ihr es als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort, wo auch der weisse Mann spürt, dass der Wind süss duftet von den Wiesenblumen.
Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns entschliessen anzunehmen, so nur unter einer Bedingung. Der weisse Mann muss die Tiere behandeln wie seine Brüder.

Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausend verrottende Büffel gesehen, vom weissen Mann zurückgelassen - erschossen aus einem vorüberfahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am Leben zu bleiben. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort, so stürbe der Mensch an grosser Einsamkeit des Geistes. Was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden.
Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Ihr müsst Eure Kinder lehren, dass der Boden unter ihren Füssen die Asche unserer Grossväter ist. Damit sie das Land achten, erzählt ihnen, dass die Erde erfüllt ist von den Seelen unserer Vorfahren. Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kinder lehren:
Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst.
Denn das wissen wir, die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde - das wissen wir. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden.

Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an.

Nein, Tag und Nacht können nicht zusammenleben. Unsere Toten leben fort in den süssen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt.

Das Ansinnen des weissen Mannes unser Land zu kaufen, werden wir bedenken. Aber mein Volk fragt, was denn will der weisse Mann? Wie kann man den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen - oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie können wir Euch diese Dinge verkaufen - und wie könnt Ihr sie kaufen? Könnt Ihr denn mit der Erde tun, was Ihr wollt - nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet - und es dem weissen Manne gibt? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen?

Könnt Ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet ist?

Wir werden Euer Angebot bedenken. Wir wissen, wenn wir nicht verkaufen, kommt wahrscheinlich der weisse Mann und nimmt sich unser Land. Aber wir sind Wilde. Der weisse Mann, vorübergehend im Besitz der Macht, glaubt, er sei schon Gott - dem die Erde gehört. Wie kann ein Mensch seine Mutter besitzen?

Wir werden Euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Tag und Nacht können nicht zusammenleben - wir werden Euer Angebot bedenken, in das Reservat zu gehen. Wir werden abseits und in Frieden leben. Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Unsere Kinder sahen ihre Väter gedemütigt und besiegt. Unsere Krieger wurden beschämt. Nach Niederlagen verbringen sie ihre Tage müssig - vergiften ihre Körper mit süsser Speise und starkem Trunk.

Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Es sind nicht mehr viele. Noch wenige Stunden, ein paar Winter - und kein Kind der grossen Stämme, die einst in diesem Land lebten oder jetzt in kleinen Gruppen durch die Wälder streifen, wird mehr übrig sein, um an den Gräbern eines Volkes zu trauern - das einst so stark und voller Hoffnung war wie das Eure. Aber warum soll ich trauern um den Untergang meines Volkes. Völker bestehen aus Menschen - nichts anderem. Menschen kommen und gehen wie die Wellen im Meer. Selbst der weisse Mann, dessen Gott mit ihm wandelt und redet, wie Freund zu Freund, kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen.

Vielleicht sind wir doch - Brüder. Wir werden sehen.

Eines wissen wir, was der weisse Mann vielleicht eines Tages entdeckt:
Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann!

Unser Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, das Ihr ihn besitzt - so wie Ihr unser Land zu besitzen trachtet - aber das könnt Ihr nicht. Er ist der Gott der Menschen - gleichermassen der Roten und der Weissen. Dieses Land ist ihm wertvoll - und die Erde verletzen, heisst ihren Schöpfer verachten.

Auch die Weissen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen, und eines Nachts werdet Ihr im eigenen Abfall ersticken. Aber in Eurem Untergang werdet Ihr hell strahlen - angefeuert von der Stärke des Gottes, der Euch in dieses Land brachte - und Euch bestimmte, über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese Bestimmung ist uns Rätsel.

Wenn die Büffel alle geschlachtet sind - die wilden Pferde gezähmt - die heimlichen Winkel des Waldes, schwer vom Geruch vieler Menschen - und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten - wo ist das Dickicht - fort, wo der Adler - fort, und was bedeutet es, Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd: Das Ende des Lebens - und den Beginn des Überlebens.

Gott gab Euch Herrschaft über die Tiere, die Wälder und den roten Mann, aus einem besonderen Grund, doch dieser Grund ist uns ein Rätsel. Vielleicht könnten wir es verstehen, wenn wir wüssten, wovon der weisse Mann träumt - welche Hoffnung er seinen Kindern an langen Winterabenden schildert - und welche Visionen er in ihre Vorstellungen brennt, so dass sie sich nach einem Morgen sehnen.

Aber wir sind Wilde - die Träume des weissen Mannes sind uns verborgen. Und weil sie uns verborgen sind, werden wir unsere eigenen Wege gehen. Denn vor allem schätzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu leben, wie er selber es wünscht - gleich wie verschieden von seinen Brüdern er ist.
Das ist nicht viel, was uns verbindet. Wir werden Euer Angebot bedenken. Wenn wir zustimmen, so nur, um das Reservat zu sichern, das Ihr versprochen habt. Dort vielleicht können wir unsere kurzen Tage auf unsere Weise verbringen.
Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist und sein Gedächtnis nur noch der Schatten einer Wolke über der Prärie, wird immer noch der Geist meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Denn sie liebten diese Erde, wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter.

Wenn wir Euch unser Land verkaufen, liebt es, so wie wir es liebten, kümmert Euch, so wie wir uns kümmerten, behaltet die Erinnerungen an das Land, so wie es ist, wenn Ihr es nehmt. Und mit all Eurer Stärke, Eurem Geist, Eurem Herzen, erhaltet es für Eure Kinder und liebt es - so wie Gott uns alle liebt. Denn eines wissen wir - unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der weisse Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen.

Vielleicht sind wir doch - Brüder. Wir werden sehen.



In dem neunten Kapitel
FRANTIC macht Ed mit seinem cineastischen Querverweis zu Marilyns spurlosen Verschwinden Joel eine Heidenangst. In Roman Polanskis Spielfilm passiert folgendes:

Die Frau des amerikanischen Herzchirurgen Walker verschwindet spurlos aus ihrem Pariser Hotelzimmer. Walker macht sich in der fremden Stadt auf die Suche. Ein versehentlich vertauschter Koffer vom Flughafen bringt einen Anhaltspunkt. Er findet die Besitzerin, eine Französin, die für dunkle Gestalten einen Bombenzünder ins Land geschmuggelt hat. Zu zweit nehmen sie Kontakt mit den Waffenschiebern auf. Als nach wilder Jagd durchs nächtliche Paris das große Shootout naht, stirbt die junge Frau im Kugelhagel. Walker freilich hat die Gemahlin wieder in den Armen. Regiemeister Roman Polanski hat in bester Hitchcock-Manier einen spannenden Thriller inszeniert, in dem Harrison Ford überzeugend einen Amerikaner in Paris spielt, dessen Situiertheit Stück für Stück demontiert wird. Souverän gelingt es Polanski, die französische Weltstadt kinogerecht und dennoch nicht stereotyp vorzuführen. Die klug gemachte Unterhaltung mit Tiefgang und vielen Teilbotschaften erreichte knapp eine Million Kinobesucher.
Nachdem Roman Polanski sich einer umstrittenen Anklage wegen Sex mit einer Minderjährigen in den USA durch eine Übersiedlung nach Paris entzogen hatte, schien er sich der während der 80er Jahre im beruflichen Leerlauf zu befinden. Er drehte zwischen 1979 und 1988 lediglich einen Film: den verunglückten Piraten.
Doch schließlich fand Polanski die Inspiration - und mit Harrison Ford einen großen Star (Polanski konnte nicht nach Hollywood, also kam Hollywood zu Polanski) -, um Frantic zu drehen: einen Thriller, der Polanskis Begabung, eine geheimnisvolle Atmosphäre des Schreckens, der steigenden Spannung und des ungewissen Schicksals zu schaffen, direkt in die Hände spielte.

Im dreizehnten Kapitel "Mrs Leu" berichtet Holling, wie er lesen gelernt hat:
"Rund zwölf Kilometer entfernt von uns lebte die Frau eines Missionars, Mrs. Leu. Sie hat mir immer Bücher geliehen, unter der Hand. CAPTAINS COURAGEOUS, das Kinderbuch der Verse und all so was. Also saß ich irgendwo draußen... Birkenlaub, Fichtennadeln, - ganz für mich allein."

Captains Courageous wurde unter dem Titel "Fischerjungs" (oder auch "Brave Seeleute") ins Deutsche übersetzt:
Ein verwöhntes Millionärssöhnchen ist mit seiner nervenschwachen Mama zu Schiff unterwegs von New York nach Europa. Bei unruhiger See wird dieses Früchtchen unbemerkt über Bord gespült. Es gilt als ertrunken. In Wahrheit hat ihn die Jolle eines Fischerschoners aufgefischt und ihn auf die sommerliche Fahrt der Flottille zu den Großen Bänken mitgenommen. Hier, in Sturm und Salz und Nebel, unter den handfesten Kabeljaufischern, wird ihm der falsche Dünkel gründlich ausgetrieben. - Wir werden gut Freund mit Käpt´n Disco Troop, seinem Sohn Dan und allen anderen, und erleben das große Schicksal "See" mit, das diese Männer in seinem Bann hält. - Das Buch ist ein Hochgesang auf das lebendig-männliche Dasein, auf die "schöne, wilde Welt", strahlend von Humor und Naturkraft, wie nur dieser große Märchenerzähler der Wirklichkeit ihn anstimmen konnte.
RUDYARD KIPLING wurde 1865 in Bombay geboren. Nachdem er seine ersten Lebensjahre dort und in Allahabad zugebracht hatte, kam Kipling nach England, wo er einige Jahre das United Service College in Westward Ho besuchte. Darauf unternahm er große Reisen, die ihn durch Vorderindien nach Birma, China, Japan und Nordamerika führten. Nach weiteren Reisen durch alle Weltteile verbrachte er sieben Jahre in Nordamerika und ließ sich dann in England nieder. Im Jahre 1892 heiratete er Caroline Starr Balestier, mit der er in glücklichster Ehe lebte. Seinen einzigen Sohn verlor er im Weltkrieg. Im Jahre 1907 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Kipling, der 1936 starb, wurde in der Westminster-Abtei beigesetzt und erhielt sein Grab in der "Dichterecke", in der Dickens, Burns, Scott und Goldsmith ruhen. Wenn Kipling auch in erster Linie als Schöpfer der "Dschungelbücher" und des "Kim" in aller Welt berühmt wurde, so darf von seinen Jugendbüchern vor allem der herzhafte und überaus frische Seeroman "Fischerjungs" nicht vergessen werden, der auch verfilmt worden ist.



Im letzten Kapitel "Finding" schlägt Joel Marilyn vor, die Theater-Aufführung
HEDDA GABLER (von Henrik Ibsen) zu besuchen, was Marilyn jedoch rigoros ablehnt (ihr vernichtendes Urteil: "Depremierend")...

HEDDA GABLER: Hedda Tesman ist die Tochter des verstorbenen Generals Gabler, der ihr keinerlei Vermögen hinterlassen hat. Sie ist Ende zwanzig. Nachdem sie einige Jahre lang ein aktives Gesellschaftsleben geführt hat, hat sie Jørgen Tesman geheiratet, der bei seinen beiden Tanten Julle und Rina aufgewachsen ist. Jørgen ist Staatsstipendiat der Kulturgeschichte und hofft nun darauf, eine Professur an der Universität zu erhalten. Als das Stück beginnt, sind Hedda und Jørgen gerade von einer sechsmonatigen Hochzeitsreise zurückgekehrt. Jørgen hat diese Zeit zur Arbeit und zu Archivstudien genutzt, während Hedda, wie sie dem Hausfreund Assessor Brack anvertraut, sich auf der Reise gelangweilt hat. Trotz einer deutlichen Abneigung gegen ihren Mann ist sie schwanger geworden, was sie bisher ihrer Umgebung verschwiegen hat. Jørgen wird bei der Rückkehr von der schlechten Nachricht empfangen, dass er in Eilert Løvborg, einem ehemaligen Bewunderer von Hedda, einen Mitbewerber um die Professur bekommen hat. Løvborg hat den Ruf eines begabten aber alkoholsüchtigen Boheme. In den letzten Jahren hat er jedoch den Alkohol gemieden und ein zurückgezogenes Leben geführt und inspiriert durch und in Zusammenarbeit mit Thea Elvsted zwei Abhandlungen geschrieben. Zu Beginn des Stückes ist er in die Stadt zurückgekehrt und trägt eines der Manuskripte bei sich. Thea, die ihn liebt, hat ihren Mann verlassen und ist Løvborg gefolgt. Im Laufe von knapp zwei Tagen inszeniert Hedda eine Reihe von Ereignissen, die dramatische Folgen nach sich ziehen. Sie bringt Løvborg dazu, sich zu betrinken, und an einem Herrenabend bei Assessor Brack teilzunehmen. Im Laufe der Festlichkeiten verliert er das für ihn so wichtige Manuskript seines neuen Buches. Jørgen Tesman findet es und überlässt es Hedda zur Aufbewahrung. Hedda aber verschweigt Løvborg, dass sie das Manuskript hat. Sie gibt ihm eine der zwei Pistolen ihres Vaters und redet dem Verzweifelten zu, "in Schönheit" Selbstmord zu begehen. Das Manuskript verbrennt sie. Løvborg wird jedoch durch einen Schießunfall in einem Bordell getötet, und Brack, der weiß, woher die Pistole kommt, versucht dieses Wissen auszunutzen, und Hedda damit zu erpressen; er verlangt, dass sie seine Geliebte wird. Thea und Tesman arbeiten daran, Løvborgs Manuskript aus Notizen, die Thea aufbewahrt hat, zu rekonstruieren, und sie finden über diese Arbeit zueinander. Als Hedda begreift, dass sie von Brack abhängig und ohne Lebensaufgabe ist, erschießt sie sich mit der zweiten Pistole des Generals.

Quelle: Merete Morken Andersen, Ibsenhåndboken (Ibsenhandbuch), Gyldendal Norsk Forlag, 1995)
HENRIK IBSEN (1828 - 1906) ist einer der ganz Großen der Weltliteratur. Er nimmt einen zentralen Platz im Durchbruch der Moderne im europäischen Geistesleben ein, und wird als Vater des modernen Dramas betrachtet. Seine Dramen haben nicht an Aktualität verloren und werden noch heute an Theatern rund um die Welt aufgeführt. Man sagt, Ibsen sei nach Shakespeare der am meisten gespielte Dramatiker.


Das
DEUTSCHE SKRIPT dieser Folge "Verschollen im Dschungel der Großstadt" wurde exklusiv für die Internet-Initiative DOKTOR FLEISCHMAN SOLL WIEDER ERYTHROZYTEN ZAeHLEN von Volker Herrmann, D-Meppen verfaßt. Die Dialoge und Handlungsstränge wurden dafür aus einer Videoaufzeichnung protokolliert.
Alle Rechte vorbehalten.
Nur zum privaten Gebrauch. Veröffentlichungen, auch einzelne Teile, nur nach Rücksprach
e: eMail: mail2cicely@web.de