Nachmittag. The Brick, Cicelys Kneipe, ist trotz der Tageszeit gut besucht, ein geselliges Raunen und Gemurmel mischt sich unter die Country-Musik, die lustig aus den Boxen schallt. Holling kommt mit einigen Whiskeyflaschen aus einem Nebenzimmer und hält sie prüfend gegen das Sonnenlicht, das aus einem Fenster scheint. Er blickt kurz nach draußen. Während er zum Ausschank geht, pustet er den Staub von den Flaschen. Auch Shelly hält sich hinter der Theke auf als Holling auf sie zukommt, bemerkt sie den Stifthalter, der immer noch in der Brusttasche seines Holzfällerhemds steckt.

Erfreut zeigt Shelly auf das Ding:
Ohh... stark! Wo hast du das her, Babe?

Während Holling es Shelly erzählt, zieht sie ihm den Stifthalter aus der Tasche und begutachtet ihn:
Miss Harris hat uns allen so was gegeben. Ich dachte, ich sollte irgendwie Gebrauch davon machen.

Shelly steckt ihm die Haltevorrichtung wieder in die Brusttasche:
He, bei den Typen im Schachclub sah das total affig aus,... aber ein Hengst wie du kann mit so ´nem Ding problemlos 'rumlaufen.

Holling ist dabei die Whiskeyflaschen ins Wandregal einzusortieren. Er freut sich:
Vielen Dank, Shelly.

Shelly zieht nun eine Kassette mit Kleingeld aus der Kasse:
Also!? Wann krieg' ich denn nun deinen Superaufsatz zu lesen?

Holling fühlt sich ertappen:
Äh... bald, Shelly... äh... sehr bald schon...

Shelly setzt sich nun mit dem Kleingeld und einem Kugelschreiber auf einen Barhocker vor die Theke, um die Tageseinnahme abzurechnen. Eine Rechenmaschine steht vor ihr. Skeptisch fragt sie:
Du hast ihn doch fertig, oder?

Holling ist gerade mit einer Bestellung beschäftigt. Ungeschickt versucht er von der Schularbeit abzulenken:
Ach, Shelly, der Katalog ist angekommen. Der mit... der mit der ganzen Bettwäsche drin. Und die haben dieses Deckbett aus Deutschland. Äh... sechshunderter Füllung. Gänsedaunen. Und es kostet nur zweihundert Dollar...

Shelly hat das Ablenkmanöver durchschaut und sagt traurig wissend:
Du hast ihn nicht fertig...

Holling, der eigentlich schon auf dem Weg war, eine Tasse Kaffee und einen Imbiß zu einem Gast zu bringen, bleibt schuldbewußt stehen:
W
ie bitte...? Na ja...

Er überlegt einen kurzen Moment. Er sucht nach einer Ausrede:
Shelly, Schatz... Ich... ich dachte ehrlich... nur... ich komme für ein paar Stunden mal runter. Verstehst du, um... mir die Dinge im Kopf zu recht zu legen.
Ich kann doch nicht jede wache Minute... für meine Hausaufgaben verwenden. Ich habe ein Lokal zu führen.

Interessiert beobachtet Shelly, wie Holling sich windet, tippt dann ein paar Zahlen in die Rechenmaschine und sagt mit tadelnder Stimme:
Jedenfalls hättest du Zeit, mit Dave zu quatschen. Du warst eine Stunde lang in der Küche.

Holling versucht auch diesen Einwand zu entschärfen:
Na ja, Dave hat zu Hause Probleme, seit der Schwanger bei ihm eingezogen ist. Er suchte einen Freund, dem er sich anvertrauen konnte. Das konnte ich ihm ja wohl schlecht abschlagen, oder?

Aber Shelly wedelt nur streng mit einem Kugelschreiber:
Du willst mit deinen Kumpels quatschen? Das ist spitze! - Aber deine Hausaufgaben gehen vor...! Sind wir uns einig?

Dieser mütterliche Rüge entbehrt in Anbetracht des Altersunterschieds der beiden natürlich keiner Komik. Holling verzieht zerknirscht das Gesicht, entdeckt im nächsten Augenblick aber schon eine neue Katastrophe nahen und raunt:
Großer Gott... Entschuldige bitte, Shelly!

Jane Harris ist nämlich im Begriff, sich an den Tresen zu setzen. Holling läßt alles stehen und liegen und eilt zu dem unerwarteten Gast. Er wischt die Bar vor ihr mit einem Tuch sauber:
Tag, Miss Harris. So eine Überraschung.

Jane Harris hat sich ihren braunen Mantel ausgezogen und bittet in ihrer freundlichen, aber dennoch distanzierten Art:
Hey, Holling. Wenn wir nicht in der Schule sind, nennen Sie mich ruhig Jane.

Holling macht einen nervösen Eindruck:
O ja, Ma'am. Ich war gerade auf dem Weg nach oben, um der Aufgabe von morgen den letzten Schliff zu geben, wissen Sie...?

Jane bemerkt seine Aufregung und sagt nachsichtig:
Das ist schön, Holling.

Holling legt Jane einen Bierdeckel auf ihren Platz:
Äh... darf ich Ihnen etwas zu Essen oder zu Trinken holen?

Jane überlegt nicht lange:
Ja, ich nehme einen Scotch.

Holling starrt sie irritiert an:
Einen Scotch???

Jane:
Ja, irgendeinen Single-Malt... Und machen Sie einen Doppelten d'raus.

Ungläubig hält Holling inne, als wüßte er nicht, ob seine Lehrerin die Bestellung ernst meint.

Jane hat ihre Hände gefaltet auf den Tisch gelegt. Sie fragt ihn lachend:
Stimmt was nicht, Holling?

Nachdenklich sagt Holling:
Nein Ma'am, es ist nur,... na ja... Sie sind Lehrerin.

Und dann besinnt er sich endlich, dreht sich ruckartig zum Flaschenregal und greift nach einer edel aussehenden Flasche:
Also,... einen Doppelten, Miss Harris...

Jane verbessert ihn:
Jane.

Mit einer entschuldigenden Geste korrigiert Holling:
Ach ja,... richtig: Jane.

Er schenkt ihr ein und fragt höflich:
Äh... möchten Sie ein paar Brezeln dazu?

Jane:
Nein, nicht nötig.

Holling spendabel:
Wie wär's mit ein paar Nüssen?

Jane knapp:
Ist wirklich nicht nötig.

Sie trinkt ein Schluck. Holling stellt die Flasche bei Seite und stottert:
Tja... dann werd' ich wohl... Entschuldigen Sie bitte, ich werd' mich wieder auf meine Hausaufgaben stützen.

Jane:
Na klar.

Geradezu erleichtert sucht er das Weite, dreht sich noch einmal um und verabschiedet sich verlegen mit einer flüchtigen Handbewegung. Als er an Shelly vorbeikommt, die ein paar Meter von Jane an der Rechenmaschine sitzt, schaut er sie hilflos an, reibt sich unbeholfen die Hände und verschwindet schließlich im Treppenhaus. Schweigend guckt Shelly ihm nach und riskiert anschließend einen Blick auf die zurückhaltende Lehrerin.



Es ist Nachmittag und Marilyn hat sich offensichtlich noch immer nicht bei Joel gemeldet. An Joels Praxis geht ein bärtiger Passant vorbei. Er friert bei diesen winterlichen Temperaturen und obwohl er dicke Handschuhe trägt, haucht er sich warmen Atem in die Hände.
Aus dem Off hören wir Joel aus der Praxis telefonieren:
Also würden Sie bitte dafür sorgen, dass sie mich anruft, sobald sie eintrifft?

Und nun bekommen wir auch Joel zu sehen: er sitzt verloren auf Marilyns Platz im menschenleeren Wartezimmer und telefoniert mit der Rezeption des Hotels, in dem er für Marilyn ein Zimmer reserviert hatte. Die Kamera fährt langsam auf ihn zu. Er spricht in seinem üblichen selbstgefälligen Tonfall:
Notieren Sie das?
Wie ist Ihr Name?

Während Joel in den Hörer lauscht, greift er in die Innentasche seiner Weste und holt einen Stift hervor. Er wiederholt den gehörten Namen:
Ted!

Er macht sich in einer Kladde, die vor ihm auf Marilyns Schreibtisch liegt, Notizen:
In Ordnung, Ted. Ich schreib mir das auf und ich erwarte, dass sie anruft und mache Sie dafür verantwortlich.

Er hört sich an, was Ted zu sagen hat und verabschiedet sich:
Vielen Dank.

Er legt den Hörer auf die Gabel des altertümlichen Telefons. Gleichzeitig beginnt verhaltene Klarinettenmusik im Hintergrund zu spielen.
Joel ist bedrückt, er faßt sich verzweifelt an die Stirn, läßt den Stift auf seine Notiz fallen und lehnt sich nachdenklich in dem Bürostuhl zurück, wippt ein wenig hin und her. Er läßt seinen Blick über Marilyns Arbeitsplatz schweifen und zieht schließlich eine Schublade einen Spalt auf. Er inspiziert neugierig den Inhalt, als Ed Stimme ihn erschreckt:
Hallo, Doktor Fleischman!

Joel ringt nach Atem:
Äh..äh..äh... Herrgott...

Ed steht in seine gewohnten Outfit direkt vor dem Schreibtisch, auf den er nun eine Holzkiste abstellt.
Joel hat sich einigermaßen von den Schrecken erholt und fährt Ed strafend an:
Wieso mußt du dich eigentlich immer so anschleichen?!

Ed reumütig:
T'schuldigung, Doktor Fleischman.

Scheinbar beiläufig und arglos fragt Ed:
Durchsuchen Sie Marilyns Sachen?

Joel fühlt sich ertappt und stammelt kleinlaut eine Notlüge:
Nei...in! Natürlich nicht...! Ich... suche einen Stempel...

Joel lehnt sich wieder zurück und fährt sich beschämt mit der rechten Hand über Stirn und Haare. Ed packt eine bunte Schachtel aus der Holzkiste:
Ah... Also, ich habe Ihr Büromaterial.
Und ich soll Ihnen von Ruth-Anne ausrichten, dass sie 'ne Kiste King-Oscar-Sardinen reingekriegt hat.


Joel interessiert das momentan nicht. Marilyn geht ihm nicht aus dem Kopf. Mit vorgetäuscht leidenschaftslosen Tonfall beginnt er zu lamentieren:
Ed..., ich will dich mal was fragen: wenn man sich die Mühe gemacht hat, den Urlaub von jemanden zu organisieren, damit er sicher und angenehm und sorgenfrei verläuft... ich meine,... äh... ist es übertrieben, einen Anruf zu erwarten?!

Ed hält einen Stapel Mappen in den Händen und hört sich grübelnd Joels Monolog an. Joel hingegen beklagt sich nun weniger indirekt:
Ein schichtes: "Ich bin angekommen. Alles ist bestens. Danke schön!". Ich meine,... ist das zu viel verlangt?!

Nickend faßt Ed zusammen:
Marilyn hat nicht angerufen.

Joel bestätigt:
Nein. Allerdings.

Er quengelt:
Ich... ich... hab sie in einem schönen Hotel mit einem Türsteher rund um die Uhr untergebracht und die Rezeption erzählt mir, sie ist gar nicht eingetroffen...

Ed legt die Hefter zur Seite und bittet aufmunternden eine Erklärung für Marilyns Verhalten:
Vielleicht hatte ihr Flugzeug Verspätung.

Joel steht von seinem Stuhl auf und weist Eds Vermutung energisch zurück:
Das ist fünf Minuten vor der Zeit gelandet und sie war drin...

Während Ed weiter Büromaterial aus der Kiste packt, geht Joel nervös im Wartezimmer auf und ab und begründet:
... eine Stewardess hat sie nämlich eindeutig identifiziert.

Ed lapidar:
Also... ich würde mir keine Sorgen machen.

Joel bleibt an einer Kommode stehen und weist mit ablehnender Geste jede Besorgnis von sich:
Ich mache mir keine Sorgen!
Ich finde bloß, dass sie n...nach all der Mühe, die ich mir gemacht habe, wenigstens Anerkennung zeigen könnte für meine Bemühungen.


Ed wiederholt:
Also... ich bin mir sicher, ihr geht's gut.

Joel blättert mürrisch in einem Magazin, das auf der Kommode liegt und fährt Ed streitsüchtig an:
Ich sagte, ich mach' mir keine Sorgen.
Ich... Genaugenommen bin ich verärgert. Abgesehen davon, wie soll ich Patienten behandeln, wenn ich mit dem Telefon beschäftigt bin und das Wartezimmer hüten muß.

Ed entgegnet besonnen:
Na ja... ich doch keiner da, Doktor Fleischman.

In jammernden, aggressiven Ton wendet Joel ein:
Darum geht es doch gar nicht. Es war unverantwortlich von Marilyn wegzufahren und sie hat nicht einmal den Anstand, anzurufen und mir zu sagen, dass es ihr gut geht.

Joel kaschiert seinen Gefühlsausbruch, indem er so tut, als würde er im Magazin lesen. Ed steht einen Augenblick nachdenklich da. Er nickt zustimmend und verkündet theatralisch:
Sie fährt in den Ferien in eine fremde Stadt, greift sich die falsche Tasche und eh sie sich?s versieht, wird sie von skrupellosen Waffenhändlern entführt, die ihr eher die Kehle durchschneiden als sie gehenlassen.

Joel sieht langsam von der Zeitschrift auf und guckt Ed verwirrt an.
Ed ist die Situation unangenehm, er fügt erklärend hinzu:
Frantic.

Und mit einer listigen Handbewegung ergänzt er versiert:
Roman Polanski, achtundachtzig.

Joel starrt Ed sprachlos an und man weiß nicht, ob er den Cineasten für total bescheuert hält oder sich Marilyn mit durchgeschnittener Kehle vorstellt.
Einen Moment herrscht peinliches Schweigen. Ed schaut ein wenig dümmlich aus der Wäsche. Als ihm klar wird, dass sein kleiner Filmbericht nicht besonders gut ankam, verabschiedet er sich schnell und flieht aus der Praxis:
Bis dann also, Doktor Fleischman.

Konsterniert läßt Joel die Geschichte auf sich einwirken. Mit geöffneten Mund steht er wie angewurzelt da und stiert stumm ins Leere.



Marilyn hat Glück. Die Sonne strahlt an diesem umwerfenden Wintertag von einem wolkenlosen Himmel. Während Marilyn in Zeitraffer die Stadt besichtigt, singt die Georgia Wettlin-Larsen mit ihrer dominanten Stimme den
"Ojibway Square Dance". Der Gesang hört sich an wie ein ulkiges Quaken zu indianischen Klängen.
Wir sehen
Seattles Monorail, eine Art Schwebebahn, vorbeifahren und Marilyn in einem Reiseführer blättern. Sie trägt ihren bunten Patchwork-Mantel, eine enge lila Stoffhose, rötliche Lederstiefel und Handschuhe. Sie befindet sich in der Nähe des historischen "Pioneer Square", hinter ihr steht eine Skulptur von Chief Seattle, dem Namenspatron der Stadt und einstiger Häuptling der Suquamish- und Duwamish-Indianer.
Vom Seattle Center, dem ehemaligen Gelände der Weltausstellung von 1962, sehen wir den Aufzug der "Space Needle" aufwärts düsen. Der 185 Meter hohe Turm, der aussieht wie eine Stecknadel mit großen Kopf, ist das Wahrzeichen der Stadt. In dem Lift steht Marilyn und genießt den Blick auf Seattles Skyline.
Kurze Zeit später hält Marilyn einen Kaffeebecher in der Hand und schlendert an einigen roten Backsteingebäuden vorbei. Sie bleibt inmitten einer Taubenschar stehen, die zu ihren Füßen picken, bis ein Radfahrer die Vögel aufscheucht. Es flattert und schwirrt um Marilyn herum...
Dann flaniert sie über den belebten Boulevard eines Geschäftsviertels. Die erste Einkaufstasche baumelt an ihrem Handgelenk. Sie kommt an einem Teppichverkäufer vorbei und ruht sich unter einem Sonnenschirm vor einem Café aus. Ein Kellner gießt ihr eine Erfrischung in ein Glas. Anschließend macht sie sich auf zum "Pike Place Market", einem traditionsreicher Ort im Herzen von Downtown Seattle und der älteste Bauernmarkt der ganzen USA. Seit 1907 bieten Farmer und Fischer aus der Umgebung täglich frisches Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch feil. Marilyn besucht das "Public Market Center", kommt an riesigen Auslagen mit farbenprächtigen Früchten vorbei und begutachtet skeptisch die Fischangebote. Sie spaziert weiter, bleibt an einem Verkaufsstand eines Floristen stehen und schnuppert an einem Strauß Schnittblumen. Ein Luftballonverkäufer bietet einige Dutzend rote und orangefarbene Ballons an.
Im Anschluß erholt sich Marilyn auf einer Parkbank von ihrer Tour. Hinter ihr - auf einem Stück Rasen - picknicken drei Mädchen auf einer Decke. Marilyn stärkt sich derweil mit einem Imbiß. Skater rollen vorbei. Eine junge Frau setzt sich zu Marilyn und empfiehlt freundschaftlich weitere Ausflugsziele. Gemeinsam schauen sie in einen Stadtplan und die Frau redet auf sie. Dann ist Marilyn wieder alleine. Sie streckt die Beine aus und macht es sich auf der Bank gemütlich. Sie genießt ihre Pause. Ein Kaffeebecher steht neben ihr.
Zwei Männer in Jeans haben sich ans andere Ende der Bank niedergelassen. Die beiden unterhalten sich angeregt miteinander. Und Marilyn mustert die Burschen von der Seite.
Später verschnauft auch ein älteres Paar an des selben Stelle. Der Mann hält die Frau im Arm. Sie schweigen und schauen sich nicht an. Trotzdem machen sie einen verbundenen Eindruck. Marilyn starrt desinteressiert nach vorne. Nach einiger Zeit dreht der alte Herr vorsichtig den Kopf zu der merkwürdigen Touristin, die die beiden weiterhin eisern ignoriert.
Anschließend unternimmt Marilyn eine Bootsfahrt auf einem der zahlreichen Gewässern. Sie lehnt an der Reling und während es dämmert, zieht die Silhouette imposanter Hochhäuser langsam an ihr vorbei. Zurück am Hafen erlebt sie einen romantischen Bilderbuch-Sonnenuntergang mit Blick auf die Elliott Bay. Die Sonne steht tief über den Baumwipfeln und spiegelt sich golden auf der gekräuselten Oberfläche des Puget Sound. Und mit diesem märchenhaften Eindruck beendet Marilyn ihren Urlaubstag. Sie hat mit Sicherheit keinen Gedanken an Joel verschwendet...


Cicelys Gemeindehaus liegt immer noch in einer malerischen Winterlandschaft eingeschneit. An diesem Morgen ist der Himmel allerdings grau verhangen.
Jane Harris sitzt lässig auf dem Podest, auf dem ihr Lehrerpult steht und hört sich konzentriert den Aufsatz des etwa elfjährigen
Stuarts an. Der Schüler trägt eine braune Lederweste. Er steht vor der Klasse und liest stolz aus seinem Heft die letzten Sätze seines eher kindlichen Geschichte vor. Die restlichen Schüler sind zwar einigermaßen still, aber unaufmerksam. In der hinteren Reihe wird ein Zettel weitergereicht und hier und da tuscheln ein paar gelangweilte Teenager miteinander.

Stuart:
...als wir am Merkur vorbeirasten, fingen meine Eltern Feuer und dann wachte ich auf und lag in meinem Bett. Die Erde war nicht aus ihrer Umlaufbahn geraten und wir sind gar nicht auf die Sonne zugerast. Das war alles bloß ein Traum.

Er klappt sein Schulheft zu, grinst erwartungsvoll seine Mitschüler an und geht zurück zu seinem Platz.

Jane Harris lächelt freundlich und lobt aufmunternd:
Das war sehr phantasievoll, Stuart. Danke.

Stuart setzt sich auf seinen Stuhl:
Gerne gescheh'n, Ma'am.

Auf er Suche nach dem nächsten Referenten, schaut sich Jane Harris kurz im Klassenzimmer um:
Also... ähmm...

Und mit einer ermutigenden Geste zeigt sie auf ihren ältesten Schüler:
...Holling!

Holling trägt ein kariertes Hemd, in dessen Brusttasche auch heute der komische Stifthalter steckt. Auf seinem Schreibtisch liegen etliche Bücher und Mappen. Ihm ist die Situation unangenehm und er druckst nervös:
Ähhh..., wä... wäre es möglich, dass ich meinen... na ja,... einfach nur abgebe?

Er streckt der Lehrerin unbeholfen seine Kladde entgegen:
Er ist ordentlich geschrieben und gut zu lesen...

Doch Ms. Harris besteht auf eine persönlichen Vortrag (was ihr vermutlich bald leid tun wird):
Nun, ich glaube, wir hätten ihn alle gerne von Ihnen gelesen gehört.

Holling erhebt sich mit dem aufgeschlagenen Heft und stellt sich artig neben sein Pult:
Ja, Ma'am.

Einige Schulkameraden drehen sich zu ihm um, andere sind allerdings noch immer abgelenkt und beschäftigen sich mit kursierenden Kassibern. Holling beginnt vorzulesen. Man merkt, dass ihm nicht wohl ins seiner Haut ist und er es kaum abwarten kann, bis er sich wieder hinsetzen darf, denn er rattert seinen Aufsatz eilig und unbetont herunter:
Mein aufregendster Tag des letzten Sommers.
Ich erinnere mich, dass es Mitte Juli war, ungefähr in der Zeit des Monats, wenn meine Fässer geliefert werden und ich hatte gerade meine leeren hinter dem Lokal aufgestapelt, als Ozman Crev in meine Bar eingefallen ist, wie ein hungriger Fuchs in einen Hühnerstall. Ähm... Zwölf Jahre zuvor hatte Oz einen Mann wegen ein paar Schneeschuhe in Streifen geschnitten...


Schlagartig ändert sich die Stimmung im Klassenzimmer. Alle Köpfe drehen sich gespannt zu Holling, der weiter durch seine Geschichte hetzt:
...und ich hatte dafür gesorgt, dass er in die Strafvollzugsanstalt Lemoncreek geschickt wurde. Jetzt war er wieder ein freier Mann und darauf aus, es mir heimzuzahlen...

Ein kleines Mädchen, das erst kürzlich Hollings Rechenkünste bewunderte, hört nun völlig verschüchtert und mit offenen Mund zu. Was Holling da vorträgt, unterscheidet sich deutlich von Stuarts harmlosen Phantastereien.
Holling:
Seine Augen blitzten und funkelten irre und er nahm sein Gewehr von seiner Schulter und ich wußte ganz genau, ich hatte nur einen Versuch, ihn aufzuhalten. Also warf ich ihm eine Flasche Rye-Whiskey gegen die Stirn...

Jane Harris zuckt kurz zusammen wie unter einem unerwarteten Schlag, verfolgt den Bericht aber aufmerksam.
Holling:
Während er durch das Blut und das Glas geblendet war, war ich über ihm und mit einem Blitz ging sein Gewehr los und riß ein Loch in meine Schulter, so groß wie eine Faust...

Auch einige ältere Schüler trauen ihren Ohren kaum. Ungläubig schauen sie Holling an, der ungerührt und emotionslos weiterliest:
Aber ich rang ihn dennoch zu Boden. Seine Daumen gruben sich in meine Augen und versuchten sie rauszuschaufeln, wie Eiscremekugeln. Aber ich,...

Er blättert hastig um:
...ich rammte immer wieder seinen Schäden gegen das Messinggeländer in der Hoffnung, er würde aufplatzen oder Oz würde wenigstens von mir ablassen.

Das Mädchen starrt hilfesuchend und verwirrt zu ihrer Klassenlehrerin. Ihre Mimik verrät eine gewissen Verängstigung:
Holling:
Eine Stunde später, als die Ordnungshüter endlich eintrafen, fanden sie uns beide in einer Lache von unserem eigenen Blut liegen. Ohne Bewußtsein und kreideweiß...

Er blickt kurz von seinem Heft auf. Erst jetzt scheint er die spannungsgeladen und verschüchterte Atmosphäre, die im Raum herrscht, zu registrieren und endet verunsichert:
Friedlich, wie... neugeborene... Babys...

Betretenes Schweigen. Mit einer Mischung aus Entsetzen und Bewunderung gaffen die Schülerinnen und Schüler Holling an. Niemand wagt sich zu rühren. Der eine oder andere Klassenkamerad schielt lediglich verstohlen zu einem Tischnachbarn.
Jane Harris sitzt eine Weile versteinert auf der hölzernen Stufe zum Lehrerpodium. Auch sie braucht ein paar Sekunden, um sich zu sammeln. Dann blickt sie sich im Klassenraum um und mit einem winzigen Lächeln löst sich ihre Anspannung.
Holling steht verlegen da und wartet auf Erlösung. Er tritt von einem Bein aufs andere und verkündest befangen:
Ende.

Jane Harris atmet mit verschränkten Armen einmal tief durch, schaut dann Holling freundlich an und sagt:
Das war sehr anschaulich, Holling. Danke schön.

Holling setzt sich langsam:
Ich danke Ihnen, Ma'am.

Er macht einen beschämten, reumütigen Eindruck. Er weiß, dass sein Vortrag nicht optimal gelaufen ist. Mit zusammengepressten Lippen legt er seine Kladde zur Seite, während Jane Harris routiniert zum Lehrplan zurückkehrt:
Also? Wer möchte als nächster...?


Es ist früher Morgen, kurz vor sieben Uhr. Joel öffnet beherzt die Tür zu Maurice' Büro im Gebäude von Cicelys Radiosender. Er trägt seinen Parka, darunter ein feines Oberhemd und Krawatte.
Über einem Regal schmückt ein ausgestopfter Elchkopf die türkisgestrichene Wand. Daneben fällt das Sternenbanner in gediegenen Falten von einem Pfosten. Maurice sitzt an seinem Schreibtisch und ist gerade damit beschäftigt, irgendwelche kleine Kärtchen zu sondieren. Hinter dem ehemaligen Astronauten spannt sich eine mehrere quadratmetergroße, dunkelblaue (NASA-)Fahne über der Holzvertäfelung. Ein Modell des Space-Shuttle steht auf einer Kommode, darüber ein Schautafel der Rakete. Klassische Musik spielt leise im Hintergrund.
Als Joel eintritt, neckt Maurice seinen ärztlichen Zwangsarbeiter:
Hallo, Fleischman.
Nichts los im Medizinmann-Gewerbe, oder legen Sie 'ne Pause ein?


Joel und geht schnurstracks auf Maurice zu und rückt ohne Umschweife raus mit der Sprache:
Hör'n Sie... ähm,... ich muß mir Geld leihen.

Maurice greift in die Brusttasche seines Hemdes und zieht ein Bündel Geldscheine hervor. Wohlwollend fragt er:
Klar, wieviel brauchen Sie denn?

Joel offen:
Ganz genau achthundert Dollar.

Verblüfft guckt zu Maurice zu Joel hoch:
Acht? Wa...wa...was... was wollen Sie denn mit so viel Moos?

Verlegen blickt Joel kurz zu Boden. Faßt sich aber sofort wieder und sagt:
Ich... ich brauche ein Flugticket nach Seattle.

Maurice grinst breit:
Haha... Sie denken doch wohl nicht daran, sich abzusetzen?

Joel breitet die Arme aus und antwortet schlagfertig:
Doch, natürlich. Daran denke ich jede wache Minute, wenn Sie's unbedingt wissen müssen. Mehr als an Sex. Aber es geht um Marilyn...

Er schaut Maurice entschlossen in die Augen:
Nicht ein Wort von ihr. Nichts.

Maurice schnappt sich einen Kaffeebecher, der neben dem Telefon steht, und spaziert gelassen um seinen Schreibtisch herum. Er stopft sich das Geldbündel wieder in die Brusttasche:
Tja... das ist kein Grund zur Beunruhigung, glaube ich.

Während Maurice sich an der Kaffeemaschine bedient, verfällt Joel in einen aggressiven Tonfall. Unmißverständlich redet er auf Maurice ein:
Hör'n Sie, ich bin das schon durchgegangen, ich möchte nicht mehr diskutieren, klar?
Ich flieg' nach Seattle!


Leicht belustigt gibt Maurice zu bedenken:
Joel, haben Sie eine Vorstellung von den Chancen, Marilyn in so einer Stadt zu finden?

Joel kompromißlos:
Ja! Und es ist mir egal, okay?
Es ist mir egal! Hier oben sind mir die Hände doch sowieso gebunden. Wenn ich da unten wär' und durch die Straßen laufen könnte, dann...


Er gestikuliert verzweifelt. Er sieht Maurice an:
Ich... ich käm' mir zumindest nicht so hilflos vor.

Maurice antwortet kurz entschlossen:
In Ordnung.

Er kehrt mit dem Kaffee hinterm seinen Schreibtisch zurück und beteuert:
Ich bin immer bereit, mich hinter einen Mann zu stellen, der Pflichtgefühl und ein Ziel vor Augen hat.

Offensichtlich drängt die Zeit. Joel schaut nämlich auf seine Armbanduhr und bedankt sich dabei fast demütig:
Vielen Dank, ich weiß das wirklich zu schätzen.

Maurice hat sich noch nicht gesetzt. Stehend stellt er mit der rechten Hand die Tasse ab und zieht mit der linken wieder die Geldscheine hervor:
Also, das wären...

Gewissenhaft zählt er die ersten vier Banknoten ab:
Ähh... rechnen wir einhundert die Woche... Also, das wären... zwei, drei, vier: das ist einer...

Joel beobachtet ihn dabei völlig verwirrt. Maurice hingegen zupft die nächsten Hunderter aus seinem stattlichen Bündel:

Fünf, sechs, sieben, acht: das macht zwei.

Er legt Joel die achthundert Dollar auf den Schreibtisch. Joel starrt ratlos auf das Geld und fragt mißtrauisch:
Moment mal? Zwei?? Was macht: zwei???

Maurice biegt und knetet den verbliebenen Packen Geld, guckt Joel an und erklärt süffisant:
Ich berechne nur den Gegenwert von...

Er macht eine erklärende Geste:
...Zeit zu entsprechenden Beispiel.

Joel entgeistert:
Was wollen Sie damit sagen?

Nachdem Maurice das Bündel mit den restlichen Hunderten wieder in der Brusttasche verschwinden lassen hat, stemmt er sich selbstzufrieden die Arme in die Hüfte und erläutert ruhig:
Na ja... diese achthundert Dollar... äh... fügen zwei Monate zu Ihren... Verpflichtungen in Cicely hinzu.

Joel fassungslos:
Wie bitte?!

Maurice setzt sich nun gemütlich hin und rechnet Joel die Gleichung vor:
Eigentlich wären es... äh... dreiundsechzig... nein, nein, nein: vierundsechzig Tage. Aber da Sie das Herz am rechten Fleck haben, habe ich großzügig abgerundet.

Joel begreift langsam. Er hat sich mit beiden Armen auf den Schreibtisch gestützt und faucht Maurice empört an:
Sie wollen mich das abarbeiten lassen?!

Maurice sortiert jetzt wieder die kleinen Kärtchen und antwortet gönnerhaft:
Ja, Sie sind knapp an Bargeld. Ich tu' Ihnen einen Gefallen.

Joel schimpft wutentbrannt:
Sie und dieser Staat habe schon ein fünftes Jahr aus mir 'rausgequetscht und jetzt wollen Sie noch mehr?

Mit schmollenden Mund und unschuldigen Hundeblick schaut Maurice zu Joel hoch. Joel kann es nicht glauben. Verächtlich herrscht er Maurice an:
Das ist Erpressung, das ist Wucher!

Maurice schiebt ihm die acht Hunderter in Reichweite. Jovial fragt er:
Wollen Sie die Mäuse oder nicht?

Joel funkelt Maurice einen Moment feindselig an, aber er hat keine andere Wahl. Deshalb packt er sich schließlich die angebotenen Dollar und verläßt mit einem despektierlichen Kopfschütteln das Büro. Die Zeit drängt. Sein Flieger wartet...


Der Unterricht ist beendet. Jane Harris befindet sich alleine im Klassenzimmer. Sie sitzt an ihrem Pult, auf dem sich verschiedene Mappen und Unterlagen stapeln. Sie hat sich Holling zu einer Besprechung einbestellt, der gerade ins Gemeindehaus eintritt.
Jane Harris heißt ihn willkommen:
Hi, Holling. Kommen Sie rein und nehmen Sie Platz.

Holling hat seinen Hut abgenommen und setzt sich zügig ihr gegenüber auf einen Stuhl. Er ist merklich angespannt, sagt keinen Mucks.
Jane Harris wartet einen Moment, schaut noch einmal in Hollings Akte, die aufgeschlagen auf dem Schreibtisch liegt:
So...

Auch die Lehrerin ist ein wenig verlegen. Sie spielt nervös mit einem Bleistift und faltet hin und wieder die Hände. Was sie Holling sagen will, ist ihr unangenehm und sie überlegt, wie sie anfangen sollen. Mit einer entschuldigenden Handbewegung stellt sie fest:
Also,... diese Beurteilung erstelle ich auf der Grundlage mehrerer Dinge. Verhalten, Hausaufgaben und natürlich, inwieweit Sie sich verbessert haben.

Pädagogisch richtig beginnt sie erst mal, Hollings Stärken hervorzuheben:
Also, ich muß einfach sagen, dass Sie durchweg der Schüler mit dem besten Benehmen in der Klasse sind. Sie sind ein wahrer Gentleman, Holling...

Holling hört aufmerksam zu:
Danke, Ma'am.

Jane Harris freut sich, den Einstieg in das Gespräch gefunden zu haben und fährt rasch fort:
Und ich finde es sehr erfrischend, wie Sie an Ihre... Aufgaben herangehen.
Sie bringen eine... eine Fülle an Lebenserfahrung in Ihre Arbeit ein...

Ein Klopfen an der Tür unterbricht sie. Shelly tritt kleinlaut ein:
Ähmm... Entschuldigen Sie!

Die Störung bringt die Lehrerin aus dem Rhythmus. Sie fixiert Shelly prüfend. Shelly trägt ihre helle Felljacke und eine Handtasche. Auch Holling, der mit dem Rücken zu Shelly sitzt, dreht sich langsam um.
Jane Harris fragt nüchtern:
Ja?

Shelly kommt vorsichtig näher und druckst unsicher:
Ähm... ich platze doch nicht mitten drin 'rein, oder?

Holling blickt hilfesuchend von Shelly zu seiner Lehrerin.
Jane Harris wohlmeinend:
O nein, wir habe gerade erst angefangen.

Shelly steht inzwischen vor dem Lehrerschreibtisch und legt die Hände über die Rückenlehne des freien Stuhls direkt neben Holling:
Also,... dürfte ich bei der Besprechung von Holling vielleicht dabei sein...
Weil ich doch seine... seine... Freundin bin und so...?

(Um ein Haar nicht Shelly sich
(nicht als Hollings "Freundin", sondern) als dessen "Mutter" ausgegeben...) Hollings Mimik verrät, dass es ihm lieber wäre, wenn Shelly bei diesem Gespräch nicht dabei sein würde, aber Jane bietet ihr mit einer knappen, einladenden Geste Shelly den Stuhl an:
Aber selbstverständlich, Shelly, setzen Sie sich...

Shelly nimmt schnell Platz und tastet aufmunternd nach Hollings Arm:
Danke.

Holling geniert sich sichtlich, schweigt aber.
Letztendlich ist Jane vermutlich froh, dass sie bei diesem Aussprache Beistand erhält. Allmählich kommt sie zur Sache:
Okay, ich wollte gerade sagen,... obwohl ich Holling für einen klugen Mann halte, spiegelt sich das nicht im Unterricht wider. Ich weiß nicht, ob es ein Mangel an Vorbereitung ist, oder ob Sie nicht genug Fragen stellen, aber...

Bedauernd gestikuliert sie bei Sprechen:
...ich fürchte, Sie werden Ihre Abschlußprüfung nicht bestehen.

Shelly bringt es auf den Punkt. Mit sanfter, zweifelnder Stimme fragt sie:
Er wird durchfallen?

Jane Harris fuchtelt abwehrend mit dem Bleistift und überlegt kurz, wie sie die Situation moderater zusammenfassen könnte:
Nein,... nicht unbedingt durchfallen. Aber er würde die Prüfung wiederholen müssen.

Sie legt ihre Hände beschwörend aneinander und sieht Holling aufrichtig an:
Also, falls es ein Problem gibt, Holling, im Unterricht, oder wenn ich Ihnen irgendwie helfen kann...?

Holling kaut auf seiner Lippe, ihm fehlen die Worte:
Na ja,... ehrlich gesagt, ich... na ja...

Er senkt den Kopf und schaut betreten zu Boden:
Shelly springt ihm bei:
Es ist ihm peinlich.

Die Lehrerin stutzt und hakt ungläubig nach:
Es ist ihm peinlich?

Holling wendet sich ab, doch Shelly erklärt:
Es ist, weil er so auffällt ihn der Klasse,... weil er das größte Kind ist.

Das war zuviel... Strafend blickt Holling Shelly von der Seite an, die jedoch ruhig und mit einem unsicheren Lächeln auf dem Gesicht fortfährt:
Na ja, nicht Kind, aber... wissen Sie, Holling ist schüchtern.

Hollings Empörung ist schnell verraucht. Aber Shellys Offenheit ist ihm weiterhin äußerst unangenehm. Jane Harris hingegen reibt sich nachdenklich das Kinn und hört interessiert zu, was Shelly zu berichten hat.
Shelly:
Bei der Party für ihn waren alle aus der Stadt gekommen und Holling verbrachte den Abend in der Küche, um Shakes zu mixen.

Sie knufft Holling sachte mit den Ellenbogen. Holling beobachtet die Reaktion der Lehrerin aus den Augenwinkel heraus. Quengelnd ermahnt er Shelly aufzuhören:
Shel-ly.

Shelly raunt ihm rechthaberisch zu:
Ist doch wah-r!

Nun fühlt sich Holling doch genötigt, von seiner unglücklichen Kindheit zu berichten:
Na ja, kann sein, aber... Sehen Sie, Miss Harris, es ist so: als ich ungefähr sechs oder sieben war, hatte ich mir eine Schieferplatte geholt, die von unserem Dach abgebrochen war und ein Stück Seife, um darauf zu schreiben. Ich bin damit immer in den Wald gegangen... und hab? mir selbst... schreiben beigebracht.

Jane Harris hört aufmerksam zu, begeistert fragt sie:
Wirklich?

Holling bestätigt:
Ja, Ma'am.

Und nimmt den Faden wieder auf:
Rund zwölf Kilometer entfernt von uns lebte die Frau eines Missionars, Mrs Leu. Sie hat mir immer Bücher geliehen, unter der Hand. Captains Courageous, das Kinderbuch der Verse und all so was.

Während Holling mit beseelter Stimme weiterspricht, sieht Shelly ihn liebevoll an:
Also saß ich irgendwo draußen... Birkenlaub, Fichtennadeln, - ganz für mich allein.
Ich las und die Worte, die ich nicht verstand, schrieb ich auf.


Er fixiert nun seine Lehrerin ernst und Miss Harris erwidert ergriffen den Blick:
Sie sehen also, Ma'am, für mich hatte das Lernen immer was mit Abgeschiedenheit zu tun. Und niemand außer den Drosseln und Eichelhähern hatte mich dort beachtet... Und wahrscheinlich fällt es mir einfach nur schwer, mich umzustellen.

Ein (fast unsichtbares)
anerkennendes Lächeln fliegt über das Gesicht der Lehrerin. Alle schweigen einen Augenblick, dann tätschelt Shelly Hollings Knie und sagt gewinnend zu Jane Harris:
Jedenfalls, Danke, dass Sie meinem Holling helfen...

Nachdenklich hat die Lehrerin die Ellenbogen auf die Tischplatte aufgestellt und stützt das Kinn auf ihren gefalteten Händen. Sie strahlt Holling und Shelly freundschaftlich an.
Keiner sagt ein Wort. Shelly atmet befreit aus und blinzelt ihren Freund aufmunternd zu. Holling schaut hingegen immer noch recht bekümmert aus der Wäsche...


Das
DEUTSCHE SKRIPT dieser Folge "Verschollen im Dschungel der Großstadt" wurde exklusiv für die Internet-Initiative DOKTOR FLEISCHMAN SOLL WIEDER ERYTHROZYTEN ZAeHLEN von Volker Herrmann, D-Meppen verfaßt. Die Dialoge und Handlungsstränge wurden dafür aus einer Videoaufzeichnung protokolliert.
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