Das nennt man wohl Städtepartnerschaft!
Dicht an der kanadischen Grenze revolutionierten AUSGERECHNET ALASKA und TWIN PEAKS Anfang der Neunziger die Serienlandschaft und beeinflussen noch heute viele Fernsehproduktionen.
Thematisch spielen die beiden preisgekrönten TV-Reihen zwar in völlig unterschiedliche Stadien, -
doch sind sie durch ihre schier unerschöpfliche Kreativität, ihren scharfsinnigen, bizarren Humor und dem einzigartigen Charme miteinander verwandt...
Beide Serien sind viel zu groß für eine Schublade, - genreübergreifend decken sie ein breites Feld der modernen TV-Unterhaltung ab.

Welchen Einfluß der ältere Bruder TWIN PEAKS auf AUSGERECHNET ALASKA hatte, erkennt man nicht zuletzt an der seltsamen Szene am Ende der fünften Episode (
"Ein altes Stammesheilmittel"), in der es Joel an diesem mysteriösen Wasserfall nach Kirschkuchen gelüstet und der unrasierte Holling irre zu philosophieren beginnt... Ein Verbeugung vor David Lynchs Meisterwerk...

Und auch unsere kleine Fan-Page verneigt sich mit diesem bescheidenen Special vor TWIN PEAKS!
Ihr findet auf diesen Seiten einen ausführlichen
EPISODENFÜHRER mit Stadtplan und einer kurzen Zusammenfassung und Ihr könnt Eure Spuren im TWIN-PEAKS-GÄSTEBUCH hinterlassen.
Mittels unserer bewährten eMail-Formulare habt Ihr ruck-zuck den
TV-STATIONEN geschrieben, dass es höchste Zeit für eine TV-Wiederholung von TWIN PEAKS wird! Außerdem gibt es INFORMATIONEN ZU DEN TWIN-PEAK-DVD und die Möglichkeit sie günstig zu
BESTELLEN...

Doch zunächst wollen wir hinter die roten Vorhänge von TWIN PEAKS schauen und die Parallelen zu AUSGERECHNET ALASKA herausarbeiten. Beide Orte sind ja geradezu mit liebenswerten und schrulligen Charakteren vollgestopft, doch während Cicely - auch (oder gerade!) auf dem zweiten Blick - fast ausschließlich von Philanthropen bevölkert ist, durchleuchtet David Lynch gnadenlos die Fassade der Bewohner von Twin Peaks und offenbart deren menschlichen Abgründe und Geheimnisse...



VON EINARMIGEN & RÜCKWÄRTSSPRECHERN
von Simon Staake

Serien gibt es unzählige, Kultserien mittlerweile viele, aber Kultserien, die diesen Begriff auch wirklich mit Leben erfüllen, weil er nicht nur Verkaufsslogan ist, davon gibt es nur ein paar.

David Lynch und Kult - diese beiden Begriffe gehören zusammen, sind quasi synonym, denn was der vermutlich avantgardistischste aktive Regisseur Hollywoods anfasst, das hat seit jeher den Begriff "Kult" wirklichverdient - und meist auch den Begriff meisterhaft. Vom experimentellen Untergrunddebüt "Eraserhead" über den Kleinstadtalptraum "Blue Velvet" und das wilde Road Movie "Wild at Heart" bis zum nicht mehr rational fassbaren"Lost Highway", Lynch fasziniert - und polarisiert. Für einige ein selbstsüchtiger Möchtegernkünstler, der seine Zuschauer veralbert; für die große Mehrheit jedoch einer der letzten wirklich großen Regisseure - einer, bei dem man Begriffe wie Genie und Visionär noch ohne bitteren Nachgeschmack benutzen darf. Und gerade das Jahr 2002 wird als Festjahr in die Annalen der Lynch-Anhänger eingehen. Liefert der Mann doch mal eben mit
MULHOLLAND DRIVE den verschachteltsten, durchdachtesten, stilistisch feinsten undschlichtweg großartigsten Film des Jahres - und dann kehrt auch noch TWIN PEAKS zurück. Zwar nicht ins Fernsehen - wo diese großartige Serie zumindest hierzulande eh geschmäht und misshandelt wurde - sondern ins Heimkino. Und da ist sie zugegebenermaßen auch besser aufgehoben, frei von Massenkompatibilität und anderen Zwängen. So kann jetzt die kleine aber treue TWIN PEAKS-Gemeinde vom heimischen Sofa aus zusammen mit Special Agent Dale B. Cooper some damn fine coffee und leckeren Kirschkuchen genießen, zu dem jazzigen Soundtrack von Lynchs Hofkomponist Angelo Badalamenti mitschnipsen und sich nochmals in das verstörend dunkle, aberebenso seltsam schöne Paralleluniversum von TWIN PEAKS begeben.

Dass TWIN PEAKS als Lynchs wahrscheinlich größter Triumph gelten kann, liegt an dem Medium in dem er errungen wurde - dem ungeliebten Fernsehen.
Dass ausgerechnet hier ein Exzentriker wie Lynch nicht nur (wie erwartet) künstlerischen sondern auch kommerziellen Erfolg hatte, bleibt fürwahr ein Geheimnis. Denn damals, Anfang der 90er Jahre, gab es nichts in der amerikanischen (oder jeder anderen) TV-Landschaft, das sich mit TWIN PEAKS vergleichen ließe - oder messen. Vor allem aber gab es nichts, dass die Zuschauer darauf vorbereitete. Außer vielleicht "Blue Velvet", der das Thema der dunklen Abgründe in der amerikanischen Kleinstadt vorwegnahm, aber dies eben doch im Kino und für die Eingeweihten. Dass aber die breite Öffentlichkeit an Lynchs verschrobenen bis bizarren Ideen Gefallen finden würde - ein Phänomen. Und daher schon mindestens mit dem Prädikat "Kult" zu versehen. Dabei wäre es unfair, hier nur Lynchs Genie abzufeiern ohne nicht seinen kongenialen Partner Mark Frost zu erwähnen. Die beiden ergänzten sich perfekt und schufen mit TWIN PEAKS die ultimative TV-Serie der frühen 90er: Drama und Komödie, Seifenoper und deren Parodie, Thriller und Tragödie - TWIN PEAKS war dies alles.

Die Mörderhatz, die den roten Faden der Geschichte bildet, war dabei eher Nebensache. Die Frage, wer Laura Palmer - das schöne Schulmädchen mit dem Doppelleben - tötete, war für Lynch und Frost zweitrangig und sie entschieden sich erst nach dem Pilotfilm und aus einer Verlegenheit heraus für einen Mörder. Konventionelle Mörderjagd - das war es nicht, was Frost und Lynch vorschwebte. "Wir wollen den Zuschauer jede Woche in eine andere Welt, in eine andere Stimmung versetzen", das kam der Zielvorgabe schon näher. Und tatsächlich ist TWIN PEAKS wie nahezu alles in Lynchs Schaffen als Sinnerfahrung zu verstehen, mit einer Gefühlsrezeption, in der Bilder und Musik genauso wichtig sind wie Geschichte oder Dialog. Und so entwickelte TWIN PEAKS eine einzigartige Bildsprache voll zu dekodierender Zeichen, die rein visuell eine atemberaubende Wirkung hat. Allein der Vorspann reicht zur Bestätigung dieser These: Wenn Badalamentis fantastisches Musikthema "Falling" anschwillt und dazu das Sägewerk oder die Landschaft rund um das kleine Städtchen Twin Peaks gezeigt werden, reicht dies um den Zuschauer bereits gefangen zu nehmen.

Was aber sind die bahnbrechenden Errungenschaften von TWIN PEAKS? Zum einen der eben schon erwähnte Zusammenhang zwischen Inhalt und Form, bei dem die Form nicht nur gleichwertig, sondern fast überlegen ist. Kunst und TV-Serie - eine waghalsige Idee, atemberaubend umgesetzt. Was aber nicht die Story mit ihren doppelten Böden herabmindert. Denn, wie einer der Regisseure in seinem Audiokommentar zu einer Folge richtig feststellt: "Bei TWIN PEAKS ging es eigentlich immer um den Subtext". Dazu dann die Charaktere.
Der spleenige FBI-Mann Dale Cooper (hinreißend dargestellt von Lynchs Lieblingsdarsteller Kyle MacLachlan) ist gleichzeitig Mystiker und Rationalist - und damit Blaupause für einen gewissen Fox Mulder, der das Serienhighlight der mittleren 90er
AKTE X mit Leben erfüllte. Wenige wissen übrigens, dass David Duchovny in TWIN PEAKS einen seiner ersten großen Auftritte hatte, als Transvestit Dennis / Denise, der allerdings erst in der zweiten Staffel auftaucht. Dafür versammelt Lynch ein großartiges Ensemble aus alten Freunden (Everett McGill, MacLachlan) und damals neuen Gesichtern (das Trio von Damenentdeckungen Sherilyn Fenn, Lara Flynn Boyle und Madchen Amick). Und welch Rollen sie hier spielen! Damit kommen wir zur wahren Vorbildfunktion der Serie, denn die Horden von schrulligen und skurrilen Charakteren die im "etwas anderen" TV der 90er den Bildschirm heimsuchten - seien es nun die verschrobenen Bewohner von CICELY aus AUSGERECHNET ALASKA, die ungewöhnlichen Charaktere in "Picket Fences" oder aber die neurotischen Figuren rund um "Ally McBeal" - wären ohne die Pionierarbeit von TWIN PEAKS so kaum möglich gewesen. Vor diesen erst in Retrospektive richtig zu würdigenden Errungenschaften darf man aber nicht vergessen, dass TWIN PEAKS auch ein gnadenlos spannender Thriller mit ausgeklügelter Mörderhatz war.

Apropos: Dabei wurde die Frage "Wer tötete Laura Palmer?" gerade hier in Deutschland zu ungeahntem Zündstoff - und sorgte für einen Skandal. Im damals auf Hochtouren laufenden Kleinkrieg zwischen den Privatsendern RTL und Sat 1 meinte Sat 1, den TWIN PEAKS-Sender RTL damit vergrätzen zu müssen, den Zuschauern den Mörder von Laura Palmer vorzeitig zu verraten. Eine piefige, peinliche, kleinkarierte Aktion. Ob sie für den kommerziellen Misserfolg von TWIN PEAKS hierzulande verantwortlich war? Das denn vielleicht doch nicht. Vielmehr war es wohl so, dass Otto Normalzuschauer von der Komplexität der Serie schlicht und einfach überfordert war. Dazu kam noch, dass man hierzulande an Konventionen von Seifenopern nicht so gewöhnt war wie die US-Zuschauer, daher auch die Parodie und Verdrehung nicht richtig nachvollziehen konnte und das Ganze erstens zu skurril und zweitens wohl zudem zu amerikanisch fand (ein Schicksal, dass nur kurze Zeit später das bereits erwähnte "Ausgerechnet Alaska", ebenfalls ein solider Kultklassiker, teilte). Jedenfalls ereilte TWIN PEAKS trotz mächtiger Promotion von RTL das Schicksal der verschmähten Serie. Sie verlor ihren Prime Time-Sendeplatz und die zweite Staffel wurde nicht einmal mehr zu Ende ausgestrahlt. Zur Schmach noch die Schande: Als die Serie 1995 beim kleinen Schmuddelbruder RTL 2 um Mitternacht ausgestrahlt wurde, waren selbst diese Quoten schlechter als welche, die man mit Wiederholungen vom Tagesprogramm einfuhr. Was für groteske Verschiebungen sorgte: TWIN PEAKS wurde immer weiter ins Niemandsland des Nachtfernsehens geschoben, bis man die Serie morgens um drei Uhr (!) verfolgen musste. Für Fans ohne Videorekorder eine Zumutung und schlichtweg nicht machbar. Was Wunder, dass die ohnehin mageren Quoten noch weiter fielen und dies das letzte TV-Lebenszeichen dieser Serie war.

Umso erfreulicher, dass man sich jetzt der gebeutelten TWIN-PEAKS-Gefolgschaft erbarmte und (vorerst) die erste Staffel auf DVD veröffentlichte...

Mit freundlicher Genehmigung von Simon Staake, www.Filmszene.de
Dankeschön!
Der ungekürzte Artikel von Simon Staake mit ausführlichen Informationen zur TWIN-PEAKS-DVD (v.a. dem Bonusmaterial):
hier!

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"Viele Leute hofften auf eine Fortführung der Fernseherie, die in Teilen eine Kombination von David's und Mark Frost's Empfindung war und den Restriktionen des Fernsehens ebenfalls in teilen unterlag, so dass es ein mehr marginaler David wurde,wenn man so will. Aber ich glaube, daß viele der sehr enthusiastischen Fans der Serie in den Film gingen, weil sie glaubten sie bekämen etwas wie die Fortsetzung der TV Serie anstelle eines echten David Lynch Films. Und sie fühlten sich betrogen."
Mary Sweeney (Schnitt)







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