Sven Regener
von Element Of Crime
Sven Regener (auf der Hollywood-Schaukel ganz links) Bestsellerautor und Kopf der Berliner Band ELEMENT OF CRIME und sozusagen der Chris Stevens der deutschen Pop-Musik, bedauert zwar, daß er AUSGERECHNET ALASKA stets verpaßt hat, bekundet aber Sympathie mit unserem Don-Quichotte-Kampf gegen die quotengesteuerten Windmühlen des Fernsehsystems...

Lieber Volker Herrmann,

vielen Dank für dein nettes Mail, feine Geste deine netten Grüße und Erfolgswünsche. Was die Sache mit Ausgerechnet Alaska betrifft, so sind wir natürlich, wie immer, wenn jemand sich für etwas, das niemandem schadet, mit ganzer Kraft einsetzt, voller Sympathie. Das Problem ist nur, daß niemand von uns diese Serie kennt bzw. ernsthaft mal verfolgt oder auch nur angeschaut hat. Wie kann das angehen? Sehen wir zu wenig fern? Zu oft das Falsche?
Oder, um es mit Adorno zu fragen: Gibt es ein richtiges Fernsehen im falschen? Keiner weiß das.
Natürlich macht deine Aktion gespannt auf diese Fernsehserie. Ich würde sie mir jetzt wirklich gerne mal angucken. Würde es aber etwas für dich bringen, wenn wir deine Aktion unterstützten mit den Worten: Wir sind für die Wiederholung der Serie Ausgerechnet Alaska, weil wir sie auch endlich mal sehen wollen? Und: Würde uns ein solches Statement nicht auch ein bißchen deppert erscheinen lassen? Gute Frage, denke ich. Dennoch, sei dir unserer Sympathie versichert. Gerade ich (Sven Regener), der dir diesen Brief schreibt, weiß, wie hart es ist, beim Fernsehen dicke Bretter zu bohren. Immerhin war ich einer der Erstunterzeichner einer Aktion, die 1973 versuchte das ZDF davon abzubringen, die Zeichentrickserie "Schweinchen Dick" im Vorabendprogramm zugunsten einer völlig bescheuerten Minisendung namens "Märchen der Völker" zu kürzen! Leider muß ich zugeben, daß wir keinen Erfolg hatten. Der Kampf geht dennoch weiter.

Es grüßt: Sven Regener



The Music Makers: Element Of Crime
von Detlef Kinsler

In dem Band ELEMENT OF CRIME der verdienstvollen Reihe The Music Makers beleuchtet der Musikjournalist, Buchautor und Kritiker Detlef Kinsler, der seine späte Magisterarbeit der Band gewidmet hat, die wechselvolle Karriere der Gruppe, analysiert ihre Musik und illustriert im Kapitel "Das Vermächtnis" ihre (gar nicht so unbedeutende) Nachgeschichte. Dabei räumt er glücklicherweise mit so manchem Vorurteil auf, dass sich als Mythos um die legendären Klänge der traurigen Jungs inzwischen rankt. So entsteht das vielschichtige Porträt einer prägenden Band, mit der nicht wenige von uns groß geworden sind.




Die Herr-Lehmann-Triologie
von Sven Regener:


"Herr Lehmann" stürmte die Bestsellerlisten, erhielt den Corine Preis und wurde von Leander Haußmann verfilmt. Für das Drehbuch erhielt Regener im Mai 2004 den Deutschen Filmpreis in Gold.




Auch als Hörbuch erhältlich!




Homepage:
www.element-of-crime.de

Mehr Stars






Über die Band "Element of Crime" in wenigen Sätzen
von Frank Bröker

An wünschelrutigen Rätseln ist diese Welt, in der man tagtäglich zu Rande kommen muss, nicht gerade arm. Eines dieser Rätsel ist und bleibt jene musisch-hochstilistische, fast entgeisternde Frage: Warum mag die Wahlberliner Band "Element of Crime" eigentlich so seltsam beleumundet sein? Sind wir doch mal ehrlich. Vorausgesetzt, Sie kennen, resp. mögen die Songs von Element of Crime in einer wunderbar anmutenden Weise, wie ich es von mir selbst behaupten kann. Ist es nicht der immergleiche Dialog:

"Hach, du hörst Element of Crime? Bist du so allein? Geht's dir schlecht? Kann man helfen? Oder noch schlimmer: Können wir drüber reden? Über irgendwas, du wir können die CD ruhig dabei laufen lassen, wenn's dir nur hilft."

Element of Crime stellten während der Aufnahmen zur Platte "The Ballad of Jimmy and Johnny" im Jahr 1989 fest, dass man vor allem für zumeist angelistisch umwobene Ohren mit einem sehr gewagten Bremer Slang die Sprache John Cales nicht unbedingt auf ewig in die Länge ziehen kann. Als sie dann anfingen, bei Livekonzerten ausgewählte Stücke der ewigen Mythen in linksliberalen Tüten von Brecht und Weill aufzuführen, muss es im Bandbus auf der Strecke Lüdinghausen-Bielefeld wohl zum sehr weisen Entschluss gekommen sein: in the mood of the ducks, let's try to sing only in the mothercake, in deutsch. Und das taten sie dann. Bis heute. Der tontragende Nachfolger von "Jimmy and Johnny" nannte sich "Damals hinterm Mond". Es folgten - wie jene genannte Platte - bis heute die Songrepertoires, mit denen es, sehr prima umsorgt von der noch recht unverbrauchten Firma Motor Music, markant nach oben ging. In die tönenden Verkaufscharts. In die großen Konzertsäle. Mit den Feuerzeugen unter der Decke. Dass da man nichts anbrannte in schwerer See.

Element of Crime schreiben Lieder, Chansons & Songs. Das mag zwar auf den ersten Blick irgendwie nur deutsch, französisch & englisch übersetzt, ja gleich klingen, doch es gibt einen Unterschied zwischen dem, was andere Bands zusammenspielen und dem typischen Lied von Element of Crime. Es klingt eben element-of-crimig, wenn Sänger Sven Regener die güldene Trompete hebt und dem Publikum rasant dosiert einen Hauch von Trauer einbläst. Meistens in Moll, in a- oder d-Moll. Sie gelten als Kummerkastenband ob dieses Umstandes. Es müssen viele Menschen viel Kummer haben in diesem Land. Die Verkaufszahlen, die stets überfüllten Zusatzkonzerte von Element of Crime belegen dies. Element of Crime kann man - im Vergleich zu weiteren, geheimen Liebschaften auf dem Musikermarkt - öffentlich hören. Ohne sich dafür schämen zu müssen. Selbst Menschen, für die das unbekannte, bibelrüchige, ja pädagogische Wort der "Verständnis" eigentlich fremd ist, nicken beharrlich mit dem Specknacken. Sie erkennen: Da gibt sich jemand einer ihnen unbekannten Form der Intonisierung hin. Weder wird geschrien, noch gerappt, noch wirklich gesungen. Es streichen die Geigen, die Gitarren zirpen wie Grillen, das Schlagzeug snart sich bedächtig dahin. Ein Break. Und die Trompete von Sven Regener weint dazu. Verständnis kommt auf im unbekannten Zuhörer mit dem Specknacken. Schon bald wird auch er eine Platte von Element of Crime kaufen wollen.

Eines traurigen Tages werden sich Element of Crime vermutlich trennen, ja auflösen, wie es dann im Rolling Stone, im Spiegel und in jeder verhuschten Stadtillustrierten verkündet werden mag. Wohin dann mit all dem Kummer? Mit all dem wunderbaren Schaum vorm Mund? Man möchte für die rätselhafte Menschheit hier gerne hoffen, das dies nicht so bald geschieht. Und spult immer wieder zurück im Autotapedeck. Das Lied von Element Crime. Es bringt dich sicher nach Haus, ins traurige Heim.

Frank Bröker