Thomas C. Breuer
Der Schriftsteller, Kabarettist und Globetrotter ist seit seiner ersten Begegnung mit AUSGERECHNET ALASKA verliebt in die beste Serie aller Zeiten...
Auf seiner
Käfer-Reise(1994) durch Nordamerika hat er den Drehort (Roslyn) im US-Staat Washington besucht.
Northern Exposure

Das ist so etwas wie eine Liebesgeschichte, und da wir hier von Amerika sprechen: Love at first sight. In irgendeinem Motel am grossen Highway America, oder vielleicht in Flughafennähe, der Mythos Highway scheint mir ohnehin etwas überschätzt, irgendwo in den "lower 48" der frühen 90er habe ich abends den Fernseher eingeschaltet, blieb beim Zappen hängen: Moment mal, die Gegend kennst Du doch, das kann nur Washington State sein, und auf einmal war es Alaska, das ich auch schon wenig ruhm-reich bereist hatte (Regen, Regen, unmögliche Freundin, und selbst dumm angestellt). Die Bilder waren merklich anders als die, die einem das amerikanische Fernsehen sonst immer vorsetzt, und erst die Dialoge! Und von da an wich ich der Show nicht mehr von der Seite, ab und zu stiess ich in irgendwelchen Magazinen im Flugzeug auf die entsprechenden Artikel zur Serie, die sich zu einem Renner entwickelte, und sobald ich herausgefunden hatte, dass die Aussenaufnahmen in Roslyn, Washington gedreht worden waren, wollte ich da unbedingt hin. Es sollte ein paar Jahre dauern. 1994 schliesslich konnte ich meine Freunde in Seattle zu einer Stippvisite überreden, eineinhalb Stunden Richtung Osten, und alles war so, wie man es sich vorstellte. Ich meine: Die tatsächlichen Bewohner von Roslyn lebten seelenruhig inmitten einer Fernsehkulisse. Ein paar sollen damals gemurrt haben, einige wenige sogar weggezogen sein, als die Teams einfielen, aber Tatsache ist, dass Roslyn ein verlassenes Bergwerksnest war, das die letzte Stufe vor der Geisterstadt bereits erreicht hatte. Und jetzt das! Damals war ich auf dem Käfertrip, d.h. innerhalb von 57 Tagen habe ich alle 50 Staaten bereist, um VW-Käfer zu fotografieren und mit ihren Besitzern zu reden. In Roslyn stand einer auf irgendeinem Parkplatz, und es gelang mir, den Besitzer ausfindig zu machen, eine junge Frau, die vermutlich Cindy hiess und NE-Paraphernalia verkaufte, und die sich bereit erklärte, für ein Foto ihren Wagen vor das grosse Wandkamel zu fahren.

Roslyn war wie Heimkommen, auch beim zweitenmal, Jahre später, obwohl man den Ort da schon zügig durchkommerzialisiert hatte. Den Charme haben sie dem Ort freilich nicht austreiben können. Was war es noch gleich, weswegen mir die Serie ans Herz gewachsen ist? U.a. in diesem unüber-sicht-li-chen Land eine Art mobiles Zuhause zu haben: Egal, ob Middlebury, Vermont oder Bisbee, Arizona, einfach den Fernseher einschalten und schwupps!, warst du wieder daheim.

Das hat etwas Beruhigendes.

Dabei ist das nicht irgendeine Serie. Manchmal kriegen die Amis ja Unfassbares zustande, mit Abstrichen waren das Shows wie
Picket Fences oder Go West, heute sind es Monk und ganz sicher Six Feet Under, und die damit verbundene Bot-schaft lautet: Solange die dort in der Lage sind, derartige Serien zu produzieren, die noch dazu erfolgreich sind, so lange besteht Hoffnung. (Umgekehrt gilt natürlich auch: Wieso machen all die anderen so einen unglaublichen Scheiss? Eine Frage, die ich mir häufig stelle, wenn ich mit Fernsehmachern in Kontakt gekommen bin: Hier produzieren Leute, die das verachten, was sie tun, für ein Publikum, dass sich eigentlich auch nicht dafür interessiert - wozu das Ganze?)

Northern Exposure. Der beharrliche Hang zur Überraschung. Mit esoterischem Gedankengut, das aber gleich wieder in Frage gestellt wird. Unübliche Charaktere, die Art von Verwandtschaft, die man sich z.T. selbst freiwillig aussuchen würde. Neurotiker obendrein, jeder auf seine Art. Dr. Fleischman hat irgendwie immer das richtige Rezept. Und alle haben die Fähigkeit, wie Hanns Dieter Hüsch mal gesagt hat: "Unzusammenhängende Dinge zusammenzuhängen."

Ich habe versucht, Anteil an den Karrieren der Schauspieler zu nehmen, die, bis auf John Corbett doch allesamt schleppend verliefen. Taucht mal einer von ihnen in irgendeinem Film auf, dann freue ich mich riesig. Ich habe brav alle Bücher aus dem Umfeld gekauft, T-Shirts, usw. Jetzt habe ich die beiden DVDs dabei, die ich mir in meinem Labtop unterwegs anschaue. Derzeit bin ich viel in Deutschland unterwegs, und wenn mal wieder eine Überdosis BRD droht, flüch-te ich einfach für eine Stunde nach Cicely a.k.a. Roslyn, Washington.

Thomas C. Breuer

Bereits erschienene Bücher: 

Hitze in Dosen (2008)
Schweizfahren
(2005)
Paradies, etc.
(2002)
Sekt in der Wasserleitung
(2002)
Schweizerkreuz und quer
(2001)
Heidelberger Demenz
(2001)
Stadt, Land, Blues
(2000)
Küss mich Käfer - In 57 Tagen um die Neue Welt
(1994)
Der Deutsche liebt...
(1991)
Zick Zack - Gedichte
(1989)
Kulturschock Schwerenot
Huren, Hänger und Hanutas - Kriminalroman
(1989)
Café Jähzorn
Säntimäntls Reise - Roman
(1988)
Spaß unterwegs. Kommunikation auf Reisen
(1988)
Schnell Epoque
(1987)

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